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Teil 1 (1918) Die althochdeutsche Literatur
Entstehung
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218
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218 II. Die Literatur von der Mitte des achten bis zur Mitte des elften Jahrhunderts.

Str. III. IV (Wunder) ist der Kehrreim ebenfalls einzeilig, gibt aber eine ge-nauere Bestimmung der betreffenden Handlung durch das Schlagwort 'zeichan'.Der III. Teil = Str. V. VI. VII (Martern und Wiederauferstehung) bildet mit dengrößten Taten des Heiligen den Höhepunkt der ganzen Dichtung (Jubilationen,Zarncke a. a. O. S. 13). Demgemäß ist auch die Stimmung des Refräns ge-steigert: in drei Zeilen wird die Wahrheit beteuert, daß das Unglaublichehier Ereignis geworden ist {Daz weiz ih, daz ist alawär). Im Teil IV = Str. VIII.IX. X (Heidenbekehrung) ist die Bewegung wieder ruhiger geworden: durchGebet und Lehre wirkt jetzt der Heilige und entsprechend ist der, bloß ein-zeilige, Kehrreim mit den Schlagwörtern cunt ans, irdigita einfach berichtendgehalten. Man beachte auch den Wechsel in der Titulierung des Helden: inTeil I, bei der Gerichtsverhandlung, wird Georg der berühmte Graf genannt(unter Annahme der Konjektur Zarnckes a. a. O. S. 13, die Hs. allerdings hatin v. 11 sce gorlo, aber für v. 6 bleibt doch der märo gräbo Qorlo bestehen),also noch mit seinem weltlichen Titel; in den Teilen II und III, bei den Zeichenund Martern, ohne Titel 'Gorio', im IV. Teil dagegen, nachdem er die Wundervollbracht, ist er (nach Zarnckes Einfügung von herro in v. 48 [Braune], imAnschluß an v. 55), der herro sanete Gorio. In der Verteilung und in dersprachlichen Fassung der Kehrreime liegt also ein wohldurchdachter Plan.

Wie das Lied auf den heiligen Gallus, so ist auch das Georgslied nachdem Muster der lateinischen Hymnenpoesie gedichtet und für Laiengesang,bezw. für die Teilnahme der Laien am Gesang, bestimmt. Daher die auf-fallende Regelmäßigkeit des Versbaus. 1 ) Die Reime sind meistens rein,der Rhythmus ist ziemlich gleichförmig in der Abfolge von Hebung undSenkung. Wie die "übrige, gleichzeitige religiöse Dichtung steht auch dasGeorgslied unter dem Vorbild Otfrids. Die Glättung der Reime und derVerse ist eine Weiterbildung seiner normalisierenden Bestrebungen. DieSprache zeigt manche Anklänge an das Evangelienbuch, mehr als die jedesandern althochdeutschen Denkmals. Dabei ist freilich in Anrechnung zubringen, daß schon der Stoff des Georgslieds mehr Berührung mit demdes Evangelienbuches bot als der der andern althochdeutschen geistlichenGedichte. Die Motive vom Gericht, vom Sehendmachen des Blinden,vom Wundertun haben im Petruslied, in der Erzählung von der Samariterin,im Psalm keine Stelle.

Aus den knappen Hymnensätzen fallen einzelne Formeln als entbehr-liche Satzglieder heraus, Wahrheitsbeteuerungen in der Art der Predigtund Otfrids, oder Wiederholungen von Wendungen wie im späteren Volks-epos.

Die Quelle des deutschen Liedes war eine lateinische Passion desheiligen Georg, aber die unmittelbare Vorlage ist noch nicht gefundenworden, denn von den erhaltenen Fassungen weicht unser Gedicht in

*) KöGEL, LG. 2,140152.