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Teil 1 (1918) Die althochdeutsche Literatur
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212 n. Die Literatur von der Mitte des achten bis zur Mitte des elften Jahrhunderts.

Wundertaten. Der Heilige der Merowingerzeit dagegen ist eine historische Per-sönlichkeit geblieben, nur harmlose Wunder hat er vollbracht, statt todbringendeFolterqualen zu erleiden hat er Krankheiten bestanden und sich selbst kasteit.Man kann die eine eine heroische, die andere eine idyllische Legende nennen.

Die deutschen Lieder vom heiligen Gallus und vom heiligen Georg sindAnsätze zur Schaffung eines christlichen Volksliedes und zum Gesang desVolkes bestimmt. Mit ihnen wurde eine neue Gattung in der deutschenLiteratur geschaffen, nach dem Vorbilde der lateinischen Hymnenpoesie derdeutsche christliche Hymnus. Somit gehören diese Gedichte in die Reihejener Bestrebungen des karolingischen Zeitalters, christlichen Geist in diegermanische Volksdichtung einzuführen.

§ 37. Georgslied.

MSD. Nr. 17 u. II 3 , 9299; Braune, LB. Nr. 35 u. S. 194 f.; Piper, Alt. d. Lit. S. 336 f.;Kelle, LG. 1,186 f. 370 f.; Kögel, LG. 2,95108, Grundr. 2 S. 122 f.; Steinmeyer, ErgebnisseS. 216. Erste Ausgabe von Sandvig, Lectionum theotiscarum specimen, Kopenhagen 1783,nach einer Abschrift von Friedrich Rostgaard (in Rom, 1699), dann wiederholt in NyerupsSymbolae ad literaturam teutonicam antiquiorem, Kopenhagen 1787; Friedr. Wilken, Ge-schichte der alten Heidelbergischen Büchersammlungen, Heidelberg 1817, S. 547 f. (nach einerAbschrift Mones); Hoffmann, Fundgruben 1 (1824), 1014; Moritz Haupt, Monatsberichte derBerliner Akademie 1854, 501512 (darauf beruhen der Druck und die Bemerkungen in MSD.);Piper, Otfrid, Einleitung S. 48. Faksimile bei Enneccerus 37. Fr. Zarncke, Über denalthochdeutschen Gesang vom heiligen Georg, Berichte der sächsischen Gesellschaft derWissenschaften, phil.-hist. Kl. 26 (1874), 140; Fr. Zarncke und W. Arndt, LateinischeGeorgslegenden des 9. Jahrhunderts, ebda S. 4170. 27 (1875), 256276; C. Kraus, Z. f. d.Österreich. Gymnasien 45 (1894), 132 f.; K. Siemers, Zum ahd. Georgslied (I. Die handschrift-liche Überlieferung; II. Die Orthographie des h; III. Alter und Heimat; IV. Abhängigkeitunseres Dichters von Otfrid), Beitr. 39, 98115.

Das Gedicht ist eingetragen auf den letzten Blättern der HeidelbergerOtfridhandschrift, 1 ) unmittelbar folgend auf die Widmung an Hartmuat undWerinbert, Bl. 200a, 201a und 201b. Der Text auf S. 201a und besonders aufS. 201t> ist schwer zu lesen, weil er teilweise verblichen oder durch Anwendungvon Reagentien geschwärzt ist. Die Verse sind nicht abgesetzt, die sehr zahl-reichenPunkte bezeichnen nur zum Teil einen Versabschluß, die meisten sindInterpunktionszeichen, die wohl das alte lateinische System durchblickenlassen, aber sehr unregelmäßig angebracht sind. Stellenweise, von v. 15 an,trennen sie Wort von Wort. Die Schrift ist unfest, sie weist auf das 10./11. Jahrh.Das Gedicht bricht unvollendet ab, obgleich noch Raum auf dem Blatte vor-handen ist. Der Schreiber begründet sein vorzeitiges Abfertigen mit derSchlußschrift nequeo Vuisolf.

Höchst seltsam und ohne Beispiel im althochdeutschen Schriftwesen istdie Orthographie. Sie gibt viele Rätsel auf, denn sie besteht in einerlächerlichen Manier und ist zudem äußerst mangelhaft, durch alle Aus-schweifungen und Versehen hindurch ist aber doch ein System deutlich zuerkennen. Zunächst in die Augen springt die übertriebene Verwendung des h.

J ) Bartsch, Katalog der Handschriften der Universitäts-Bibliothek in Heidelberg Nr. 1, S.3f.