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Teil 1 (1918) Die althochdeutsche Literatur
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210 H. Die Literatur von der Mitte des achten bis zur Mitte des elften Jahrhunderts.

Wendungen sind z. B. celeumant 2, 2, aduolitant 4, 4, grex 5,1, colore tam-quam comus 11, 3, efflat spiritum 14, 2, das Bild vom Bienenschwarmexamen ut collectum quejunt aluearia 4, 2 f., das ähnlich ist einem jenerbeiden, die er als Beispiele zu seinem Gedicht über die Rhetorik anführt(De lege dictamen ornandi, Z. f. d. A. 14,34, 43 ff.).

Auch das Präsens historicum im historischen Stil Ekkehards ist nichtdeutsch, sondern dem lateinischen Hymnenstil entnommen. 1 ) Aber ein Ver-gleich mit dem stark geblümten Stil (figuratus, Z. f. d. A. 14,33, 27; genewslorest figura 34, 1) der andern Dichtungen Ekkehards, besonders dem derstofflich nahestehenden Verse auf die Bilder des Klosters (Ad picturasClaustri Sancti Galli, ebda S. 34 ff.), läßt erkennen, wie sehr er doch dieEinfachheit {simplicitas est pura, ebda S. 34, 1) der deutschen Vorlage bei-zubehalten strebte.

Metrik. 2 ) Das lateinische Galluslied besteht aus siebzehn Strophenvon fünf Langzeilen, die in zwei Halbzeilen geteilt sind. Das Versmaß istdas der Ambrosianischen Hymnen, mit Wortakzent, nicht mit Quantität.Jede Halbzeile hat vier Hebungen. Die Senkungen sind einsilbig. DieAuftaktverhältnisse sind geregelt, die vordem fünf Halbzeilen der Strophebeginnen ohne Auftakt, die hintern Halbzeilen der ersten vier Langzeilendagegen haben solchen, aber die den Abschluß der ganzen Strophe bildendeletzte Halbzeile ist wieder auftaktlos. Dadurch entsteht eine starke Cäsurzwischen den beiden Halbzeilen der letzten Langzeile, wodurch sich diesevon den nur durch schwache Cäsuren gegliederten vier ersten Langzeilenähnlich abhebt wie im Distichon der Pentameter vom Hexameter. DieSchlüsse der Halbzeilen haben entweder die Form x x {Gällüs 2, 3) mit Haupt-und Nebenhebung ohne dazwischen fallende Senkung, oder x x x (Potdmicüm4, 4) mit Senkung zwischen Haupt- und Nebenhebung. Nicht alle Versehaben regelrechten Auftakt. Tonversetzung oder zweisilbige Senkung nachder Anfangshebung tritt ein in 4, 4. 5. 5,4. 7,1. 8,3. 14,1. 2.4.5. 15,4 (in dervordem Halbzeile); 12,5. 13,5 (in der hintern Halbzeile). Er steht, wo erfehlen sollte, 3,5b (louem), 17,1a (Johannes).

Wie war nun der Rhythmus von Ratperts deutschem Gedicht be-schaffen? 3 ) Sicher ist aus der Vergleichung mit dem deutschen Georgslied zuschließen, daß auch das deutsche Galluslied regelmäßigere Abwechslung vonHebung und Senkung hatte, als sonst althochdeutsche Art war. Man wird nunferner nicht fehlgehen, wenn man umgekehrt die Freiheiten des lateinischenGallushymnus als Anlehnungen an das deutsche Betonungsprinzip erklärt. Das

') Seemüller a. a. O. S. 305. j lateinischen Versen, Nachrichten der Göttinger

2 ) Wilh. Meyer, Der Ludus de Antichristo | Gesellschaft der Wissenschaften 1908 S. 31 bis

und über die lateinischen Rythmen, Münchner i 82; Habermann S. 99 f.

SB. 1882 S. 56 Anm., 61 f. 105.107 f. und Ge- j 3 ) Es ist nicht möglich, das ursprüngliche

sammelte Abhandlungen 1,182 Anm., 188.239.241; Wilh. Meyer, Ein Merowingerrhythmusund Fortunatus und altdeutsche Rhythmik in

deutsche Gedicht wieder herzustellen (einkühner Versuch J. Grimms, s. a. a. O. S. XXXVI).