ß. Die Literaturdenkmäler. 1. Poetische Denkmäler. §36. Ratperts Lobgesang. 209
und Andreas Schmeller, Lateinische Gedichte des X. und XL Jh. (1838), Vorrede (von J. Grimm)S. XXX —XLIV (Hs. A); E. Du Meril, Poesies populaires latines anterieures au douzieme siede(1843) S. 156—161; Hattemer, Denkmahle des Mittelalters 1 (1844), 337—344 (A mit den Ab-weichungen von BC und Faksimile auf Tat. IV).
Hss.: A. St. Gallen Nr. 393, p.247—251, der sogenannte Codex benedic-tionutn, der Besegnungen Ekkehards IV. von St. Gallen 1 ) (ca. 980 bis ca. 1060),von diesem selbst geschrieben. B C zwei jüngere Abschriften von A in denSt. Gallischen Handschriften Nr. 168 und 174, ebenfalls von Ekkehards eigenerHand und im Text manchmal von ihm verändert.
Ratpert, 2 ) einer der gelehrten Mönche von St. Gallen, Vorsteher derKlosterschule, gestorben gegen 890, Dichter lateinischer geistlicher Gesängeund besonders berühmt als Geschichtschreiber des ersten Teils der Kloster-chronik, der Casus monasterii S. Galli, verfaßte ein deutsches Loblied aufden Heiligen seines Klosters, das uns aber leider verloren ist. Erhalten istuns jedoch davon eine lateinische Übersetzung Ekkehards IV von St. Gallen. 3 )In einem Vorwort, 4 ) das in allen drei Handschriften erhalten, in B C aberverändert und erweitert ist, berichtet Ekkehard über Ratpert, über denZweck seines Gedichtes und die Art seiner Übersetzung: der Mönch Ratpert,Notkers (Balbulus, f 912) Mitschüler, verfaßte ein barbarisches (d. h. deutsches)Gedicht, dem Volk zum Lobe des heiligen Gallus zu singen, das er sogetreu als möglich ins Lateinische übertragen habe, damit eine so süßeMelodie lateinisch erklänge (Hs. A).
Die Quelle Ratperts war im allgemeinen die Vita S. Galli in der Fassungdes Mönches Wettinus (um 824), 5 ) vielleicht war ihm auch die Bearbeitungdieser Vita durch Walahfrid Strabo bekannt, dazu schöpfte er wahrscheinlichauch aus mündlicher Klostertradition und hat, besonders in der Gruppierung,auch Eigenes gegeben. Der deutsche Text ist hinter dem lateinischen Ge-wand nicht mehr zu erkennen. Ekkehard hat nur so genau übersetzt, als erkonnte {quam proxime potaimus). Das war aber doch gewiß eine freie, mehrnur im allgemeinen den Sinn und den Rhythmus einhaltende Übertragung.Schon die verschiedenartigen Fassungen in A und B C sowie die vielenundeutschen Ausdrücke beweisen, daß er nicht sklavisch übersetzte. Lateinische
l ) F. Keller, Ekkehardi Benedictiones admensas,Mitteilungen der antiquar. Gesellschaftin Zürich, Bd. 3,106—116; E. Dümmler, Z. f.d.A. 14,12—17.30 ff. Unmittelbarvorhergehenin den Hss. A und B Ekkehards Verse Adpicturas Claustri Sancti Galli, enthaltend dielateinische Legende des heil. Gallus in leoni-nischen Hexametern (abgedruckt bei Dümm-ler a.a.O. S.34—42). Die Hss. A, B und Csind beschrieben im Verzeichniß der Hand-schriften der Stiftsbibliothek von St. Gallenvon Gust. Scherrer S. 60 f. 62.134.
a ) Über Ratpert: Ekkehards IV Casus S.Galli 1, 1—9. II, 30— III, 45; Meyer von Kno-NAU, Ekkeharts IV Casus S. Galli, Einleitungund S. 287 f.; Wattenbach V, 441 ff.; Ebert
Deutsche Literaturgeschichte. I.
3,156—159; Manitius 1,606—608.
s ) Über Ekkehard IV. s. unten.
4 ) Das lateinische Vorwort vor dem Ge-dichte, beginnend Ratpertus monachus (MSD.Nr. 12).
6 ) MSD. II 3 , 79; Seemüller, Abhand-lungen zur germanischen Philologie, Fest-gabe für Heinzel, S. 286—311. — Zu Wetti n:WATTENBACH,Geschichtsquellenl 7 ,225;EBERT2,146ff.; AIanitius 1,302ff. — Vita S. Galli desWalahfrid: Wattenbach, Geschichtsquellenl 7 , 277 ff.; Ebert 2, 164f. 184; Manitius 1,305. 311 f. 314 f. — Notkers Vita S. Galli: P. v.Winterfeld, Neues Archiv für ältere deutscheGeschichtskunde 27,744—751 u. 28,61—76.
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