B. Die Literaturdenkmäler. 1, Poetische Denkmäler. § 34. Psalm 138. 205
und zwar gewöhnlich als Reim der ersten Halbzeile (das führende Reim-wort steht in der zweiten Halbzeile nur in v. 10. 26. 27. 30. 35), wonachsich dann der Reim der zweiten (bezw. der ersten) Halbzeile richtete:v. 3, das Reimwort trohtin entspricht Domine Vulg. 1, dazu ergab sich alsReimwort der zweiten Halbzeile pin; v. 5 gidanchan entspricht cogitationesVulg. 3, dazu fand sich als Reimwort der zweiten Halbzeile giuuanchon;ebenso v. 6 stiga = semltam Vulg. 3, dazu das Reimwort glnigo; v. 7 minenzoum — funiculum meutn Vulg. 3, darauf stellt sich als Reimwort goum ein;v. 9 zungun = Lingua Vulg. 4, dazu piduungen; v. 10 uuort= sermo Vulg. 4,darauf: gipot; v. 11 ist = (facta)est Vulg. 6, darauf Christ; v. 12 gitän ==facta (est) Vulg. 6, darauf intrinnan; v. 13 ze himile = in caelum Vulg. 8,darauf mit herie; v. 14 ist. . . minfart = descendero Vulg. 8, darauf ge-ginuuart; v. 29 finster = tenebrae Vulg. 12, darauf sär; v. 30 tach = diesVulg. 12, darauf mach; v. 31 frao = diluculo Vulg. 9, darauf federn; v. 32fliogen = sumpsero pennas Vulg. 9; darauf nioman; v. 34 meres = marisVulg. 9, darauf inferist; v. 35 hant = dextera Vulg. 10, darauf lant; v. 25diepisäzi du mir = possedisti renes meos Vulg. 13, darauf mir; v. 26 g"^ar =de utero matris meae Vulg. 13, darauf giuuar; v. 27 tougino = in occultoVulg. 15, darauf longino; v. 16 mansleccun = viri sanginum Vulg. 19, daraufgituon; v. 17 unrehton rihtuom = in vanitate civitates Vulg. 20, daraufrieton; v. 19 fienta din = inimicos tuos Vulg. 21, darauf £"//<?/? sf«; v. 20nidon = oderam Vulg. 21, darauf tao«; v. 36 chius dir ze mir = Probame Vulg. 23, darauf dir; v. 37 cheri mih framort — deduc me Vulg. 24,darauf got; v. 38 in euun = in via aeterna Vulg. 24, darauf ginädun. DieSchlagworte mit den dazu gebildeten Reimen bilden das feste Gerüste, inwelches das übrige Wort- bezw. Gedankenmaterial, mehr oder weniger an-schließend an den lateinischen Text, jedoch meist ihn erweiternd, eingefügtist. v. 4 und 28 sind ganz freie Übersetzungen der schwierigen Stellen Vulg. 2und Vulg. 15 (Schluß).
Drei Verse des Gedichtes begegnen je zweimal: 1) v. 15 und 35; siebilden den Refrän ihrer Strophen und damit einen zusammenfassenden Ab-schluß des Gedankens; v. 35 ist der dem lateinischen Bibeltext entsprechendeVers, v. 15 der Wiederholungsvers. Dagegen folgen 2) die wiederkehrendenVerse 17 und 18 sowie 3) 32 und 33 unmittelbar aufeinander. Ihr Inhalt istnebensächlich und bildet einerseits die Fortsetzung des vorhergehenden Ge-dankens bezw. den Schluß der vorhergehenden Strophe (v. 15 zu 14, v. 32zu 31), andrerseits die Überleitung zum nachfolgenden Gedanken bezw.den Anfang der folgenden Strophe (v. 32 zu 33). Obgleich ein Grund fürdie Doppelsetzung von v. 17. 18. 32. 33 nicht ersichtlich ist, so sind dieseVerse doch, wie auch die Refrän 15. 35, dem Verfasser nicht abzusprechen,denn solche Wiederholungen sind auch bei Otfrid x ) und im Georgslied zu
») Erdmann, Anm. zu Otfrid 1, 6,16.17 (S. 358).