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Teil 1 (1918) Die althochdeutsche Literatur
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200 II- Die Literatur von der Mitte des achten bis zur Mitte des elften Jahrhunderts.

Das Original stammt auch erst aus dem Ende des 9. oder viel wahr-scheinlicher aus der ersten Hälfte des 10. Jahrhunderts, denn die Reimeweisen schon abgeschwächte Endungen auf: uuazzer: sazer 4, smalenözzer:auazzer 17, uuazzer : mer 18, unnen : kecprunnen 11, finfe : volliste 26. l )

Die Sprache ist alemannisch mit fränkischen Beimischungen. 2 ) Kon-sonanten. Dentale. Regelmäßig ist d zu t verschoben, th ist 31 malgeblieben, 54mal zu d verschoben; dieses d erscheint nach alemannischerWeise (vgl. Notkers Anlautsgesetz, s. unten) als t in tu 11 am Anfang desSatzes bezw. der Langzeile und 13, noh tu; t ist korrigiert in d: taz >daz 5, Beginn der zweiten Halbzeile, tir> dir \\, bätts tir; auslautend istdiese dem germ. th entsprechende d zur Tenuis geworden in quat 24(Auslautsgesetz). Labiale, b ist geblieben im Anlaut 13mal (darunter dasalemann, buzza 12 gegen fränk. puzzd), im Auslaut 2mal (auch natürlichIacob 15); dagegen zu p geworden im Anlaut: kecprunnen 11.14, pruston 20,im Auslaut: uuip 5. 9, Itpleita 6, kelop 15 (Auslautsgesetz), p ist zur Af-fricata verschoben in scephan 4. 13. Gutturale, g ist geblieben im An-laut 9mal, im Inl. 6mal, im Ausl. lmal, ist zu k geworden (alemannisch)im Präfix ki- ke-: kisaz 2, ketrencan 5, kiscirres 13, kiscephes 13, kelop 15,kicorana 31 (jedoch gi- ge-\ giborana 29, genäda 30), ferner in keröst 7und commen 24. 25; im Auslaut: tac 22, durstac 22 (Auslautsgesetz), k istdurch obd. ch dargestellt: trinchit 19, auch in der Verdoppelung: thicho 21.Fränk. qu steht in quam 3. 5, quena 3, quecprunnan 14, quat 24, alemann, k inkecprunnen 11. Vokale, obd. iu für io: auf 12, liuf 12. 22. Mittelvokal istentfaltet zwischen r und g: berega 29, ebenfalls obd. Desgleichen sind obd.die schwachen a: geba 7, sina 16, giborana 29, sagant 31, 3 ) berega 29.Flexion. Hierin liegen die ausgesprochensten alemannischen Eigenheiten:Ind. PI. der schw. Verba mit -ön (on) statt -un: betoton 29, suohton 30, und diey'att-Formen der Verba haben, sagen, leben: Präs. habis 13, hebist 25. 27;segist 25; Prät. hebitös 26. hebiti 24, Ubiti24. Alemannisch ist ferner die2. Plur. auf -nt: sagant 31.

Bei diesen sprachlichen Verhältnissen ist es das Wahrscheinlichste, daßdas Alemannische die Grundlage bildet und somit die Sprache der Vorlageist, die der Schreiber ziemlich genau wiedergeben hat, wobei er indessenfränkische Orthographie mit herüberbrachte (bes. seine th, einige b für p,g für k, wohl auch k für ch; dafür sprechen auch die Korrekturen von tazin daz, tir in dir). Das Gedicht also ist alemannisch, der Schreiber war einRheinfranke in Lorsch.

J ) Des Reimes wegen ist der Dichter mitden Endungen frei verfahren, was eben nurmöglich war, wenn sie keinen fest ausgeprägtenLautwert mehr hatten. So reimt er man : brun-nan 14.17 (statt alem. -in oder fränk. -on, vgl.brunnon 2), pruston : luston 20 (sonst brustinoder bruston lustin).

2 ) MSD. I 3 , Vorrede S. XXX. II 3 , 68; Braune,LB. S. VIII; Kögel, LG. 2,1131; Baesecke,Z.f. d.A.49, Anz.31,206.

3 ) Das i in der Endung von enin 27 (Hs.henin) kann Schreibfehler sein, es läßt sichaber auch als schwaches i erklären, wonach essowohl alemannisch als fränkisch sein kann.