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Teil 1 (1918) Die althochdeutsche Literatur
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198
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198 II. Die Literatur von der Mitte des achten bis zur Mitte des elften Jahrhunderts.

Schlüsselträger zur Himmelstür, verehrt und in der Ikonographie ist derSchlüssel immer sein Attribut; vgl. Otfrid III, 12, 37, nach Matth. 16,18 f. Thirwillu ih geban innan thes sluzila himiles, Thaz thu waltes alles thes selbeninganges, Thaz then thie duri sin bidän, Thie tharin nl sculun gän Joh ouhthen insliazes, Thie thu tharzua giliazes. Glbint then man mit worton...

Die Grundgedanken des Petrusliedes sind auch enthalten in der kirch-lichen Litanei. In dem frühmittelhochdeutschen Gedichte 'Heinrichs Litanei'(Maßmann, Deutsche Gedichte des zwölften Jahrhunderts S. 51, 570 ff.)kehrt der Inhalt der Strophen des Liedes wieder: der Strophe 1 entsprechendie Verse 601604 dir ist dl selbe gewalt gelazen, den sente peter dingeselle hat, daz ir sanderin ire missetat mugit behalden linde uerlan;der Str. 2 die Verse 583585 uon du hastu nu entfangen dl sluzzele derhimelischen porten, dl macht dv mit den gotis Worten, swenne dv wilt,intsliejen; den gleichen Gedanken wie die Schlußbitte des Gedichtes, dasVertrauen auf die Gnade und das Erbarmen des Heiligen, Petr. Str. 3, enthaltendie Verse576579 der Litanei: wir wizzen wol, heiliger herre, daz dlhder sundere irbarmet. Mit den lateinischen Litaneien gemeinsam hat dieseStrophe die Eingangsformel pittemes = rogamus, quaesumus, und den Haupt-punkt: uns . . . giuuerdo glnäden = miserere nobis; und überhaupt ist derRefrän Kyrie eleison Christe eleison bei der Litanei vorgeschrieben.

Das geistliche Thema ist gekleidet in die deutsche Kirchensprache, diedurch die Missionare, besonders in den Predigten, geschaffen und dann vonden Dichtern, so auch von Otfrid, übernommen und weiter ausgebildetwurde. Nationale, auf geistliche Begriffe angewandte Wörter und Ausdrückesind: das Rechtswort farsellen tradere; ginerlan, schon got. nasjan omamin biblischem Sinne, nasjands ocorrJQ, der Heiland; dingenten man s. oben;mit vuortun s. oben; skerian in eine Schar einreihen, vgl. Hildebrandslied51 (Beitr. 33, 466473); pittemes ist Übersetzung aus rogamus, quaesumus,s. oben; den gotes trüt amicum Dei; uparlut, 1 ) häufig formelhaft bei Ot-frid; firtän, got. frawaurhts ä/xagrcoMg; giuuerdo, umschreibend = lat. Im-perativ dignare (vgl. dignare, domine . . . nos custodire kiuuerdo [truhjtlnunsih kfehaljtan Murbacher Hymen, Sievers XXVI, 13, 1, S. 58).

Der Stil ist durchaus geistlich.Religiöser Volksgesang" kann das Liednicht wegen der Darstellung und Auffassung der Gedanken genannt werden,sondern nur deshalb, weil es in der deutschen, also in der Volksspracheabgefaßt und für die Teilnahme des Volkes bestimmt war. In diesem Sinneist es das älteste deutsche Kirchenlied. 2 )

*) Die Ausdrücke mit vuortun, uparlut,gotes trüt hat auch Otfrid (Kögel, LG. 2,109).Sie stammen aus der ahd. Umgangsspracheundgehörten schon derahd.geistlichenSprachean und können für Abhängigkeit des Petrus-liedes von Otfrid nichts beweisen.

2 ) Der nationale Stil ist balladenhaft; insolchem Volkston ist das Georgslied abgefaßt.

Den Unterschied zwischen volkstümlicher Ver-arbeitung eines religiösen Stoffes und der geist-lichen Behandlung empfindet man deutlich,wenn man das Petruslied in Uhlands Volks-liedern (Nr. 305) vergleicht mit den daselbstvor- und nachstehenden Heiligengedichten,dem Michaelslied (Nr. 304) und Sanct Wolf-gang (Nr. 307).