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Teil 1 (1918) Die althochdeutsche Literatur
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188
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188 H- Die Literatur von der Mitte des achten bis zur Mitte des elften Jahrhunderts.

6, 53. III, 21, 7 ff.); am Ende wird er kommen zum Gericht und nimmt dieGerechten zu sich ins Himmelreich (V, 1923). Damit gibt Otfrids Buchden Inhalt der christlichen Lehre, beides, das Leben Christi und das christ-liche Dogma, ist vereinigt. In dem Wirken Jesu inbegriffen sind dieGlaubenstatsachen, welche den Menschen die Erlösung bringen, völlig dog-matischen Inhalts sind die betrachtenden und moralisierenden Kapitel.

Der Erlösungsgedanke ist bedingt, wie die Religiosität des gesamtendeutschen Frühchristentums, durch die Begriffe von Mittel und Zweckoder Dienst und Lohn (bes. I, 2, 41. 43. II, 6, 55 ff. IV, 9, 28 ff. V, 20, 51. 22, 4.23,3. Hartm. 15 ff.). Eudaimonistisch ist die Ethik hier in diesem reintheologischen System so gut wie in dem nationalen Vorstellungskreise desHeliand, der Zweck des Gottesdienstes ist hier wie dort die individuelleGlückseligkeit, das Ziel ist das Himmelreich. Die Aufgabe seines Werkesspricht Otfrid ad Ludow. 91 aus: regula therero buachi uns zeigöt hlmll-rtchl und gleichbedeutend damit I, 1, 113. V, 25, 10: will ih scribanunser hell. Das irdische Leben ist nur eine Vorbereitung fürs Jenseits,alles Streben ist nur nach der himmlischen Wonne gerichtet. Die Idee desHeils erfüllt das ganze Gedicht und ist der Zielpunkt aller Gedanken. DieBitte um die himmlische Seligkeit steht am Ende hervorragender Stellen:jede der drei deutschen Widmungen und der Abschluß von jedem derfünf Bücher (mit dem Schlußgebet Kap. 24 hört eigentlich das V. Buchschon auf) eröffnet die Aussicht auf das ewige Heil, ja der Schwerpunktdes ganzen Gedichtes liegt in den Schlußkapiteln, welche von Buch VKap. 19 bis Kap. 23 die letzten Dinge enthalten.

Die religiösen Anschauungen entsprechen durchaus dem Dogma. DieWesenheiten des Vaters und des Sohnes sind kaum unterschieden. Beidesind ewig, ohne Anfang und Ende, von Anfang an gewesen: Gott III, 22, 31;Jesus I, 5, 25. II, 1, 1 ff. III, 18, 61 ff. 19, 21. V, 6, 63 f. 12, 25. Gott hat dieWelt geschaffen III, 9, 15 und zwar durch Christus II, 1, 34ff.; Christus istder Weltschöpfer I, 5, 25. IV, 16, 6 f.; beide sind allmächtig: Gott I, 5, 63,Christus I, 5, 23 f. III, 4, 31. 24, 25 ff.; allwissend: Gott IV, 1, 50. V, 18, 12,Christus: II, 11, 62.14, 55. 87 u. ö.; barmherzig (oft, s. bes. unter eregrehti inden Wörterbüchern von Kelle und Piper), gütig, gnädig, milde und ruhmvoll;Christus ist wie Gott, der ewige König IV, 12, 55, der ewige Kaiser IV, 23, 39,der himmlische König III, 2, 38 u. ö., der himmliche Herr (oft); beide richtendie Welt am jüngsten Tage (bes. V Kap. 19 ff.).

Besondere Eigenschaften Gottes und Christi: Gott ist der Vater Jesu,unser guter Vater, Christus ist Gottes eingeborner Sohn I, 5, 26. II, 12, 86,dem Vater gleich III, 5, 13. IV, 15, 35, und eins mit ihm III, 22, 32. 64; dasWort, das von Anfang bei Gott war II, 1, 1 ff.; die ewige Weisheit IV, 1, 50. 19,2;der Heiland, der durch seine Güte und Milde die Menschheit erlöst hatIII, 26, 30 ff. IV 27, 13. 33, 32; er ist unser Hohepriester und König, der füruns gestorben ist I, 17, 67 ff.; er ist ohne Sünde III, 18, 4. 21, 4. IV, 26, 22 u. ö.;