182 II- Die Literatur von der Mitte des achten bis zur Mitte des elften Jahrhunderts.
1,3,5,7 usw. und ebenso die Endbuchstaben der geraden Zeilen 2,4,6, 8 usw.(also die Anfangs- und Schlußbuchstaben der Strophen, s. unten S. 184), alsAkrostichon und Telestichon, ein und denselben lateinischen Satz bilden.Der gleiche Satz steht zugleich als Überschrift über der betreffenden Widmung.Das Akrostichon und Telestichon an Ludwig lautet: Ludouuico orientaliumregnorum regt sit salus aeterna. Das Schreiben an Ludwig ist die eigentlicheWidmung des ganzen Werkes, denn dem König hat er dieses gedichtet:themo dllitön ih thiz buah Ad Ludow. 87. l )
Darauf folgt das in lateinischer Prosa im Amtsstil und mit umständ-licher Rhetorik gekünstelte Empfehlungsschreiben an den Erzbischof Liut-bert von Mainz, 2 ) der der oberste kirchliche Vorgesetzte des Dichters war,da Weißenburg zur Diözese Mainz gehörte. Es ist keine Widmung, sondernein Empfehlungs- oder Bittschreiben an die höchste kirchliche Behörde umApprobation des Werkes, damit es veröffentlicht werden könne, und enthältdie Angaben über Veranlassung, Zweck und Inhalt des Werkes, Grundsätzeder Orthographie und Metrik und Eigenart der deutschen Sprache, alsoDinge, welche die Berechtigung und die wissenschaftliche Behandlungsweisedes eben vollendeten Werkes dartun sollen.
Die dritte Stelle nimmt die Widmung an den Bischof Salomo von Kon-stanz ein,diealsBegleitschreibeneinesDedikationsexemplarsaufzufassen ist, ent-haltend Otfrids Bitte um Beurteilung der Arbeit und den Dank für die Lehren, die ereinst von ihm empfangen (wann und wo wird nichtgesagt). Das Akrostichon bezw.Telestichon, bezw. die lateinische Überschrift, ist: Salomoni episcopo Otfridus.
Ebenfalls ein Dedikationsexemplar sandte Otfrid an seine Freunde, dieMönche Hartmuat und Werinbert in St. Gallen. Es steht nicht wie dieSchreiben an die drei hohen Standespersonen vor dem Eingang des Evangelien-buches, sondern bescheiden am Ende, und der Ton ist nicht so förmlich wie inden drei andern Schriftstücken, sondern mehr freundschaftlich. Das Akrostichonbezw. Telestichon gibt den Satz: Otfridus Uuizanburgensis monachus Hart-muate et Uuerinberto Sanctl Galli monasteril monachis. Der größte Teil desStückes besteht aus einem Vortrag über das Thema von dem Dienste Gottes,der zum Himmelreich führt, worauf ein Preis der Bruderschaft und der Minnefolgt und die Aufforderung zu gegenseitiger Fürbitte bei St. Gallus von seitender beiden Mönche, bei St. Petrus von seiten Otfrids.
Alle drei deutschen Begleitschreiben schließen mit der Bitte an Gottoder Christus um Verleihung der ewigen Seligkeit sowohl für den Empfängerals für den Dichter selbst.
Jedes der vier Sendschreiben hat in seinem Grundstock einen andernCharakter. An seinen König richtet Otfrid einen Fürstenpreis, der im Ton
1 ) feci et ipsum opus vobis, HrabanusMaurus an Ludwig den Frommen, Schönbach,Z.f.d.A.39,375.
2 ) Der lateinische Text hat rhythmischen
Satzschluß, Burdach, Über den Satzrhythmusder deutschen Prosa, Sitzungsberichte der Ber-liner Akademie 1909, S. 533—535.