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Teil 1 (1918) Die althochdeutsche Literatur
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179
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B. Die Literaturdenkmäler. 1. Poetische Denkmäler. §31. Otfrid. 179

Rhythmus einzuzwängen. Besonders in den Kapiteln 410 des ersten Bucheszeigt er sich stellenweise noch ungewandt. Des Reimes wegen gebrauchter oft ungewöhnliche Konstruktionen, so besonders Umschreibungen durchdas Particip. praes., wodurch er Bindungen auf -er -az -an -i gewinnt (sehrhäufig im Kap. 4), oder er nimmt geradezu falsche Flexionsendungen. DerRhythmus ist noch freier, besonders häufig fehlen Senkungen; oder Hebungs-silben sind kurz, auch wenn darauf keine Senkung folgt (Hebungsver-kürzungen). 1 ) Der Reim fehlt ganz in den Versen I, 5, 5. 6, 9. 7, 9. 19. 27(auch IV, 35, 15). 2 ) Der auch im Muspilli sich findende Alliterationsvers, v. 14,ist 1, 18, 9 aufgenommen (s. oben Musp.). Selbst Spuren altepischer Sprachefinden sich hier: I, 5, 5 f. (Maria Verkündigung) floug er (der Engel Gabriel)sunnün päd, sterröno sträza, wega wolköno (s. oben S. 161, Federgewand),welche Verse zugleich auch in der Form altertümlich sind durch die Reim-losigkeit der beiden ersten Halbzeilen und den Stabreim in der zweiten unddritten der Halbzeilen.

Der Aufbau ist wohl durchdacht und planvoll. Das ganze Werk wirdeingeleitet durch zwei außerbiblische Kapitel, die aus den Lebensverhältnissendes Dichters heraus entsprungen sind, I, 1 und 2. Im ersten gibt Otfridden Grund an, weshalb er sein Buch in deutscher Sprache gedichtet habe,Cur scriptor nunc librum theotlsce dictaverit: Griechen und Römer haben ineinfacher Prosa und in der Feinheit zierlicher Verse ihre Weisheit geoffenbart,weshalb sollen die Franken nicht auch in ihrer Sprache Gottes Lob singen?Sie sind ja so kühn wie die Römer und Griechen. Darauf folgt ein über-schwenglicher Preisgesang der Franken: 3 ) sie haben Reichtum, trefflichenAckerbau in fruchtbarem Land, Bergwerke, hohe Abstammung von Alexanderdem Großen, kein Volk wagt sie unter ihren Königen anzugreifen, denn alleswirken sie mit Gott. Darum will auch ich unser Heil schreiben, damit die.Franken nicht allein ausgenommen seien, Christi Lob zu singen. Das zweiteder beiden Eingangskapitel ist die 'Invocatio scriptorls ad deum', die Bittean Gott um Beistand bei seinem Unternehmen, das Leben Christi zu schreiben,und um sein eigenes Seelenheil.

Auch die Anfangs- und Schlußkapitel der einzelnen Bücher treten durchihren Inhalt besonders hervor. Das erste Buch wird eingeführt durch diebeiden eben genannten Kapitel und schließt mit einem allgemeinen 'spiritaliter'(I, 28), das in der Hoffnung auf das Himmelreich gipfelt. Beim zweiten Buchist das erste Kapitel ausgezeichnet durch die Auseinandersetzung über dieGrundidee des Johanneischen Evangeliums, In pricipio erat verbum, wobei ^fünfmal sich wiederholender Refrän angebracht ist (v. yt. 19. 23. 27. 31); ^0das Schlußkapitel des zweiten Buches, Conclusio libri secundl, endigt miteinem Gebet, dessen letzte Verse wiederum die Bitte an Gott um Verleihung

1 ) Saran, Verslehre S. 251.

2 ) Ingenbleek, Über den Einfluß desReimes auf die Sprache Otfrids S. 9.

3 ) Das Lob der Franken ist zugleich eineHuldigung an den König Ludwig den Deut-schen und an die fränkischen Großen.

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