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Teil 1 (1918) Die althochdeutsche Literatur
Entstehung
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172
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172 n. Die Literatur von der Mitte des achten bis zur Mitte des elften Jahrhunderts.

änderte und neue hinzufügte, indem er ferner stilistische und rhythmischeBesserungen anbrachte und endlich die rhythmischen Akzente einführte. Da-durch ist der Text von V vorzüglich geworden. Die Korrekturen, Änderungenund die Akzentuierung setzen eine so genaue Kenntnis von Otfrids sprach-lichen und rhythmischen Grundsätzen voraus, wie sie niemand als eben nurder Dichter selbst haben konnte. Sie stammen also von Otfrid, die Hs. ist inWeißenburg angefertigt worden, wir besitzen in ihr den Originaltext, so wieihn der Dichter endgültig festsetzte. Damit ist auch der Dialekt bestimmt:Otfrids Sprache ist südrheinfränkisch. V enthält drei farbige Bilder: denEinzug Christi (Bl. 112a), das heilige Abendmahl (Bl. 112b), die Kreuzigung(Bl. 153 b); auf der Vorderseite des ersten Blattes ist ein Labyrinth (eine Figurkonzentrischer Kreise) gezeichnet. 1 )

An zwei Stellen, Buch I Kap. 23 und Buch II Kap. 3 u. 4, sind, wahr-scheinlich von späterer Hand, über den Worten dünne Häkchen oder Punkteeingetragen, wahrscheinlich nicht Neumen, sondern Lesezeichen zur An-deutung der Rezitation. 2 )

V ist die fertige Urhandschrift des Evangelienbuchs in einer Gestalt,wie sie der Dichter selbst als maßgebend betrachtete. Aus ihr stammenalle andern Handschriften unmittelbar ab.

P. der Codex Palatinus, die Heidelberger Hs., Cod. pal. lat. 52 derGroßherzogl. Universitätsbibliothek zu Heidelberg (Bartsch, Katalog der Hss.der Universitäts-Bibliothek in Heidelberg Nr. I), Perg., fol., 9. Jh. Von denursprünglich 204 Blättern fehlten schon im 16. Jahrh. Bl. 1 und 2 (v. 175der Widmung an Ludwig) und Bl. 192199 (V, 23, 265298. V Kap. 24 u. 25und Hartm. 1141). Hinter dem Evangelienbuch ist das Georgslied ein-getragen. Die Hs. ist von zwei Schreibern abgefaßt. Der Text ist ebenfallsdurchkorrigiert und mit rhythmischen Akzenten versehen worden, und zwarvom ersten Schreiber, nach dem Vorbild von V

An einer Stelle, I, 5, 3. 4, befinden sich Neumen, Notenzeichen, überdem Text, die aber wahrscheinlich erst später eingetragen sind. Ein be-stimmter Grund für ihr vereinzeltes Vorkommen und gerade an dieserStelle ist nicht ersichtlich.

P ist aus V abgeschrieben und zwar nachdem V schon korrigiert undakzentiert war. Sie ist wohl ebenfalls in Weißenburg abgefaßt, und zwar nochzu Lebzeiten Otfrids im 9. Jahrh.; der Dialekt ist desgleichen südrheinfränkisch.Die Abweichungen der Hs. P von V sind selten Verbesserungen, meistensVerschlechterungen. Der Text von P ist also etwas weniger gut als der von VBei der Herstellung einer kritischen Ausgabe mußte demnach V zugrundegelegt werden. 3 )

') Über derartige Figuren s. MünchenerSB. 1882 S. 278.

2 ) Fr. Saran, Vortragsweise und Zweck

Kelle und besonders von Erdmann begründet,ist jetzt wohl allgemein als richtig anerkannt.Niemals großen Anklang hat die Ansicht von

usw. S. 16 ff. I Piper gefunden, daß V und P beide von Otfrid

3 ) Dieses Verhältnis von V und P, von | selbst geschrieben seien und zwar im großen