B. Die Literaturdenkmäler. 1. Poetische Denkmäler. §31. Otfrid. 171
dem Sachsenvolke keinen Boden. Von sächsischer Dichtung ist uns bis ansEnde des 12. Jahrh. nichts außer jenen beiden biblischen Epen erhalten undauch in Prosa besitzen wir nur dürftige Reste. Sie werden bei der Prosazu besprechen sein.
b) Reimdichtung.
§ 31. Otfrid.
Braune, LB., LitNachw. S. 192—194; Pipers Ausgabe 1 S.269—292 bis zum Jahr 1878,2. Aufl. bis 1887; Piper, Alt. d. Lit. S. 186—257, Nachtr. S. 205 f., Hof. Epik 3,701; Kelle, LG. 1,150—173.179—181.362—366.367f.; Kögel, LG.2,1—78, Grundr. 2 S. 112—120; Steinmeyer,Ergebnisses.210.2151 — Erste Auffindung ! ) einer Otfrid-Hs. (F) durch Beatus Rhenanus 1530;erste Ausgabe nach der Abschrift des Augsburger Arztes Achilles Pirminus Gassar (Hs. P)zum Druck vermittelt durch Matthias Flacius Illyricus, Basel 1571; die zweite Otfrid-Ausgabebesorgte 1693 J. G. Schilter (mit Zugrundelegung der Ausgabe von Gassar), starb aber vorder Drucklegung (1705); zum Druck gebracht wurde sie, unter Beiziehung einer Abschriftvon V, von J. G. Scherz in Schilters Thesaurus antiquitatum teutonicarum Tom. I, Ulm 1726.Diese beiden Ausgaben haben nur historischen Wert, die erste nach wissenschaftlicher Methodebearbeitete Ausgabe auf Grund aller Handschriften ist die von E. G. Graff mit dem Titel 'Krist',Königsberg 1831. Aber wirklich wissenschaftliche Anforderungen erfüllte erst die Ausgabe vonJoh. Kelle, Otfrids von Weißenburg Evangelienbuch, 1. Band, Text und Einleitung, Regens-burg 1856; 2. Band, Die Formen- und Lautlehre der Sprache Otfrids, ebda 1869; 3. Band,Glossar, ebda 1881; weitere Ausgaben: Paul Piper, Otfrids Evangelienbuch, l.Theil, Ein-leitung und Text, Paderborn 1878 (dazu Erdmann, Z. f. d. Phil. 11, 80—126); 2. Theil, Glossarund Abriß der Grammatik, Freiburg i. B. und Tübingen 1884; 2. Ausgabe, 1. Theil, Freiburg i. B.und Tübingen 1882; Osk. Erdmann, Otfrids Evangelienbuch, Germanist. Handbibliothekhrsg. von J. Zacher V, Halle 1882; Piper und Erdmann veranstalteten außerdem billige Text-abdrücke: Piper, 1. Theil, Einleitung und Text, Germanistischer Bücherschatz hrsg. von AlfredHolder, Bd. 4, Freiburg i. B. und Tübingen 1882; zweite Ausgabe ebda 1884; 2. Teil, KurzesGlossar, Bd. 11, ebda 1884; Erdmann, Sammlung germanistischer Hilfsmittel für den praktischenStudienzweck I, Halle 1882. — Übersetzung: Kelle, Christi Leben und Lehre, besungen vonOtfrid, aus dem Altdeutschen übersetzt, Prag 1870. — Nachbildungen: Piper, Otfrid und dieübrigen Weißenburger Schreiber des 9. Jahrh., mit 30 Faksimiletafeln in Lichtdruck und 12 Fak-simileautotypen, Frankfurt a.M. 1899; Erdmann, Über die Wiener und Heidelberger Hand-schrift des Otfrid, Abhandl. d. kgl. Akademie d. Wissenschaften, Berlin 1879, mit fünf Tafeln(aus Hs. V und P); Könneckes Bilderatlas S. 12.13 (aus P und V); Enneccerus 44 (aus F);Petzet und Glauning VIII (aus F).
Hss. 2 ) Otfrids Evangelienbuch ist uns erhalten in drei vollständigen Hand-schriften, wozu noch Blätter einer im übrigen verlorenen Handschrift kommen.
V. der Codex Vindobonensis, die Wiener Hs., K. K. Hofbibliothek in WienNr. 2687, Perg., quart, 194 Bl., 9. Jh., ist größtenteils von zwei Schreiberngeschrieben, nur wenige Verse (I, 18, 45. 46. IV, 29, 13—30, 5. Hartm. 106bis 168) rühren von einem dritten Schreiber, von einem vierten nur I, 11,27—30, wieder ein anderer trug die lateinische Vorrede ad Liutbertum bei.Die Handschrift hat viele Schreib- bezw. Lesefehler, aber der dritte Schreiberhat den ganzen Text noch einmal durchgearbeitet, indem er die einzelnenSchreibfehler korrigierte, außerdem aber auch Wörter anders schrieb oder
x ) Geschichte der Otfridforschung inKelles Ausgabe 1, 99 ff.
2 ) Siehe die Ausgaben von Kelle Bd. 1,
Einleitung S. 136-168, Bd. 2, V—XXXVI;Piper >, Einleitung S. 44—250; Erdmann, Ein-leitung S. I— LIII.