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Teil 1 (1918) Die althochdeutsche Literatur
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158
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158 II. Die Literatur von der Mitte des achten bis zur Mitte des elften Jahrhunderts.

Das germanische Epos ist aristokratische Dichtung, die Helden sindder Fürst und seine Gefolgsmannen, das gemeinsame Band ist die Treuein dem festen Verhältnis von Dienst und Lohn. In diesen ethischen Grund- .anschauungen sind die Gestalten des Evangeliums aufgefaßt. Der Heilandstammt aus edelm Geschlecht (thes bezton giburdies 584, cunnies gödes 610),aus dem Hause Davids, des berühmten Edelkönigs, der das Herrscheramthatte auf dem Hochsitz 361 ff. Darum ist auch Maria edelgeboren (aäal-cnösles 297, aäalcannies 801), sie trägt den Ehrennamen idis, schönste derhehren Frauen 270. 2032; auch Joseph ist ein edler Mann (eäili 768). Christusist der caning Volkskönig, drohtln Gefolgsherr, waldand Herrscher, landesward, Hof landes ward der liebe Landes Schützer, burgo hirdi, landes hirdider Hirte der Städte, des Landes; the rikeo der mächtige, ist cuningo rtkostmächtigster der Könige, kraftag, märt (berühmt) endi mahtig, er ist der liebeHerr, der den Seinen hold ist (hold herrö), s. Sievers' Ausgabe, FormelverzeichnisS. 400 ff. Weggelassen ist, was zu diesem erhabenen Bilde nicht passen würde,z. B. der Einzug nach Jerusalem auf der Eselin.

Die Jünger 1 ) sind die Gefolgsmannen (degen), die Gefährten, die Be-gleiter, Gefolge (glstclos), Gesinde (glsidi), treuhafte Männer (treuhafta man),Sievers a. a. O. S. 427 f.; auch edelgeboren werden sie genannt (4003).Sie begleiten ihren Herrn auf seinen Zügen durch das Land; sie umstehenihn, wenn er als Gesetzgeber und Richter auf seinem Königstuhle sitzt (Ein-gang der Bergpredigt, 1281 ff.); sie sind klug im Rat (wordspäha weros1150. 2414); sie sind ihm treu ergeben bis zum Tode. Die Juden dagegensind die Feinde, die Verfolger, das grimme, haßerfüllte, böse, übermütige Volk.

Aus diesem Vorstellungsgebiet entstammen einige echt germanische Züge,die der Dichter in die biblische Darstellung hineingebracht hat. Matthäus,in der Erzählung der Evangelien ein mißachteter Zöllner, ist hier ein Dienst-mann edler Herren (1189ff.), von hohem Ansehen und von guten Treuen;aber er gibt die Schätze und Keinodien auf, die er für seine früheren Ge-bieter zu verwalten hatte, und der Königsdegen wird Christi Dienstmann, derwonnigen Lohn, länger dauernden, verleiht. Das ist ein unverblümtes Beispiel,wie Dienst und Lohn die Bedingungen des Gefolgschaftsverhältnisses sind.

Der Typus des getreuen Mannes ist der Apostel Thomas (3992 ff.). Erspricht in schlichten Worten das sittliche Grundgesetz aus, in dem allesHandeln des Gefolgsmannes umschlossen ist:Wir sollen bei unserm Ge-folgsherrn bleiben, ausharren mit ihm; das ist das beste Los des Degens,daß er mit seinem Herrn standhaft stehe, mit ihm weile bei der Entschei-dung. Folgen wir ihm auf der Fahrt, achten wir unser Leben für nichts,

Heliand im Verhältniß zu seinen Quellen, Pro-gramm des Gymn. zu Sächsisch-Regen (Sieben-bürgen) 1882; Jellinek, Z.f. d. A. 39, Anz. 21,215 ff.; Em. Lagenpusch, Das germanischeRecht im Heliand, Untersuchungen zur deut-schen Staats- und Rechtsgeschichte, hrsg. von

Gierke, Heft46, Breslau 1894; Scherer, Z.f.d.Österreich. Gymnasien 20 (1869), 89112 u. Kl.Sehr. 1,471496; derselbe, LG. S.4648.

l ) Kauffmann, Die Jünger, vornehmlichim Heliand, Z. f. d. Phil. 32, 250255.