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Teil 1 (1918) Die althochdeutsche Literatur
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B. Literaturdenkmäler. 1. Poetische Denkmäler. § 30. Heliand u. altsächs. Genesis. 157

für Nordalbingien, 1 ) und für das südöstliche, die Gegend von Merseburg; 2 )mit wenig Glück für Utrecht 3 ) (8. Jahrh.!); neuerdings für die Normandie. 4 )Endlich wird die Ortsfrage ganz ausgeschaltet von denen, die in der Sprachedes Heliand ein lediglich literarisches Idiom sehen, eine Dichtersprache, 5 )die aus der Mischung verschiedener Dialekte, aus Fränkisch, Friesisch undSächsisch, hervorging. Dieses Schwanken bis zu den Extremen zeigt zurGenüge die Schwierigkeit der Ortsbestimmung. Bis jetzt kennen wir dieHeimat des Helianddichters nicht.

Der Dichter ist seiner Quelle nicht sklavisch gefolgt, sondern er hat inder Behandlung des Stoffes und in der geistigen Auffassung eine eigen-artige Selbständigkeit gewahrt. Er hat den Inhalt des Tatian keineswegsvollständig und auch nicht immer in der ursprünglichen Reihenfolge wieder-gegeben. Zur Kürzung er hat von den 184 Kapiteln des Tatian 60 ganz,40 zum Teil weggelassen nötigte ihn schon der Umfang der Evangelien-harmonie. Am leichtesten war auszuscheiden, wenn ähnliche Motive sichwiederholten, wenn ein und dieselbe Handlung gleich oder ähnlich wieder-kehrte. Aber vielfach bestimmten ihn auch andere Gründe zu Auslassungen. 6 )Manche erzählenden Stellen überging er, die nur Nebensächliches enthalten;dogmatische, die schwer verständlich sind; endlich auch solche, die falschausgelegt werden konnten und sich mit der Verehrung der heiligen Personennicht recht vertrugen.

Der ganze Aufbau ist planvoll. Manchmal ist der biblische Zusammen-hang geändert, meistens, damit zusammengehörige Ereignisse, die in der Vor-lage getrennt waren, fortlaufend sich entwickeln; aber auch damit durchSteigerung eine stärkere Wirkung erzielt werde. Im Mittelpunkt des Ganzensteht, in beherrschender Ausdehnung, die Bergpredigt, die etwa den achtenTeil des Gedichtes beansprucht, im Einklang mit der Wichtigkeit, die dieBelehrung in dem gesamten Inhalt einnimmt.

Aber bedeutungsvoller ist die Umgestaltung der innern Form.Dieheilige Geschichte ist germanisiert." 7 ) Der Dichter hat die Erzählungder Evangelien in den epischen Stil der Germanen übertragen, damit mußteer aber notwendig auch die Personen und die Umgebung in deutscher An-schauungsweise auffassen. 8 )

J ) Fr. Jostes, Z. f. d. A. 40,160184.

2 ) F. Wrede, Z. f. d. A. 43,333360. 44,320, dazu G. Roethe, Z. f. d. A. 43, Anz. 21,387390; Gertrud Geffcken, Der Wort-schatz des Heliand und seine Bedeutung fürdie Heimatfrage, Marburger Diss. 1912; Be-haghel, Beitr. 39,225227.

3 ) H. Jellinghaus, Nd. Jahrb. 15,61 ff.

4 ) Fr. Jostes, Die Heimat des Heliand,Vortrag, Forschungen und Funde Bd. III H. 4(sächsische Kolonisten in Gallien).

5 ) H. Collitz, Public, of the Mod. Lan-guage Assoc. of America Vol. 16 (1902), 123bis 140; derselbe in: Bauer und Collitz, Wal-

deckisches Wörterbuch, Norden und Leipzig1902, S. 68 ff. 91 ff., dazu Franck, Z. f. d. A. 46,329340 undZ.f.d.A.47, Anz. 29, 181-187(vgl. auch Franck, Z. f. d. A.43, Anz. 25, 21bis 28).

6 ) M. H. Jellinek, Z. f. d. A. 39, Anz. 21,208 ff.; Eduard Lauterburg, Heliand undTatian (Berner Dissertation), Zürich 1896;Schönbach, Deutsches Christentum vor tau-send Jahren, Cosmopolis, internationaleRevueBd. 1 (1896), 605621.

7 ) Hauck 2 2 , 603 Anm. 3. 768781.

8 ) A. F. C. ViLMAR, Deutsche Altertümerim Heliand, Marburg 1845; G. Keintzel, Der