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Teil 1 (1918) Die althochdeutsche Literatur
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152 II. Die Literatur von der Mitte des achten bis zur Mitte des elften Jahrhunderts

logische Kritik aufgedeckt. 1 ) Matthias Flacius Illyricus, der Humanist undübereifrige Parteigänger der Reformation (| 1575), schrieb, um historischnachzuweisen, daß das Bedürfnis, die Kirche zu reformieren, schon vonlangen Zeiten her empfunden wurde, seinen Catalogus testium veritatis (1556).Unter den Zeugnissen hierfür veröffentlichte er in der zweiten Auflage(1562) auch zwei lateinische Stücke (S. 93 f.), eine Praefatio in librumAntiquum lingua Saxonica conscriptum und Versus de poeta et interpretehuius codicis, ohne Angabe, woher er sie entnommen habe. Es ist dahernicht einmal zu entscheiden, ob sie wirklich als Vorreden vor einer Hand-schrift des Heliand standen oder ob Flacius sie irgendwo als selbständigeStücke gefunden hat. Daß aber wirklich unser Gedicht (mit welchem zuerstJon. Georg Eccard die Vorreden in Verbindung gebracht hat, Quaterniop. 41 [1720] u. Francia orientalis 2, 324 [1729]) in den Vorreden gemeint ist,das ist sicher, denn ein anderes monumentales Werk in altsächsischerSprache, auf das die Worte der Vorreden paßten, gab es gewiß nicht.Nun könnte aber überhaupt an eine Fälschung des Flacius gedacht werden:aber für die Echtheit spricht einmal die zum Latein der Karolingerzeitpassende Ausdrucksweise und dann das am Schlüsse des ersten Teiles derprosaischen Vorrede (A) gebrauchte Wort vitteas, das ein as. Ac. pl. ist =fitteas, zu dem allerdings nur eben hier als altsächsisch vorkommendenSubst. fittea f.; das aber als echt erwiesen wird durch das ags. Subst. fitcantilena {flttan cantare) a ) und einem etwaigen späteren Fälscher nichtbekannt sein konnte.

Die erste Praefatio ist in Prosa abgefaßt. Sie zerfällt wieder in zweiTeile, die von verschiedenen Verfassern sind. Dem ursprünglichen Bestandteil(A) ist ein Zusatz beigefügt worden (B). Daß zwei Verfasser anzunehmensind, beweist die Verschiedenheit des Stils: die Sprache von A ist kunstvoll,die von B. einfach. 3 ) In A wird in der Hauptsache erzählt: Ludwig, dersehr fromme Kaiser, bemüht sich eifrig um das, was zur heiligen Religionund zum ewigen Heil der Seelen dient, um sein Volk zur Vortrefflichkeitzu erziehen und um den schädlichen Aberglauben zu unterdrücken. Währendfrüher nur die Gelehrten Kenntnis von den heiligen Büchern hatten, istes nun durch den Eifer des Kaisers unter Gottes allmächtiger Anleitungerreicht worden, daß das ganze die deutsche Sprache redende Volk Kenntnisder heiligen Schrift erhielt. Denn er befahl einem Manne aus dem Stammeder Sachsen, der bei den Seinen für einen sehr berühmten Sänger galt,

') Zarncke, Berichte der kgl. SächsischenGesellsch. d. Wissenschaften 17 (1865), 104 ff.;Sievers' Ausgabe S.XXIV-XXXVI1I; Scherer,Z. f. d. Österreich. Gymnasien 19 (1868), 847 ff.u. Kl. Sehr. 1,569 ff.; Albr. Wagner, Z. f. d. A.25, 173181; B. Symons, Verslagen en Me-dedeelingen der kgl. Akademie van Weten-schappen, Afd. Letterkunde, III R. deel XI, 123bis 154 u. Sonderabdruck; A. Schönbach, Drei

Proömien, unserm Freunde Wilhelm Gurlittüberreicht zum 7. März 1904, S. 6 ff.

2 ) Müllenhoff, Z. f. d. A. 16,141143.

3 ) Auch die Behandlung des rhythmischenSatzschlusses läßt, soweit bei dem geringenUmfang der Stücke ein Urteil möglich ist, anverschiedene Verfasser denken: während dielängere Präf. A immer rhythmische Schlüssehat, fehlen solche am Ende zweier Sätze in B.