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Teil 1 (1918) Die althochdeutsche Literatur
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150 II- Die Literatur von der Mitte des achten bis zur Mitte des elften Jahrhunderts.

Der religiöse Gehalt ist nicht mit dem nationalen verschmolzen, das Theo-logische ist nur spärlich in volkstümliche Anschauung übertragen. Und darinliegt überhaupt die Schwäche der althochdeutschen geistlichen Dichtung;sie ist nicht_nationaJ, die kirchliche Idee ist nicht in die Formen des Volks-empfindens gekleidet. Darin steht sie zurück hinter der angelsächsischenund altsächsischen religiösen Epik. Die hochdeutschen Stämme haben eszu keiner geistlichen Volksepik gebracht.

§ 30. Der Heliand und die altsächsische Genesis.

Braune, LB., Lit. Nachw. S. 197 f.; Behaghels Ausgabe, Einleitung S. XIII ff.; PipersAusgabe S. 73105; derselbe, Alt. d. Lit. S. 159186, Nachtr. S.204L, Höf. Epik 3, 700 f.;Kelle, LG. 1,112123. 347349; Kögel, LG. 1,276288m un d Ergänzungsheft zu Bd. 1:Die altsächsische Genesis, Straßburg 1895, Grundr. 2 S. 93109; Steinmeyer, ErgebnisseS. 219226; Münchener Texte, hrsg. von Friedr. Wilhelm, Heft 2, München o. J., S. 47.Erster wissenschaftlicher Auszug (aus der Hs. M) in Docens Miscellaneen 2,127; ersteAusgabe von J. A. Schmeller, Heliand, Poema Saxonicum seculi noni, nunc primum ediditJ.A.Schmeller, München 1830; Bd. 2,1840, Glossarium Saxonicum e poemate Heliand inscripto(zeilengetreuer Abdruck der Hs. M nebst den Varianten der Hs. C; der zweite Band enthältdas Glossar); Mor. Heyne, Heliand, mit ausführlichem Glossar, 1. Ausg. Paderborn 1866,4. Aufl. (mit der as. Genesis) 1905 (besonders empfehlenswert wegen des Glossars); Heinr.ROckert, Heliand, Leipzig 1876; Eduard Sievers, Heliand, Halle 1878 (die grundlegendewissenschaftliche Ausgabe); Otto Behaghel, Heliand, Altdeutsche Textbibliothek, Halle 1882,Heliand und Genesis, Halle 1903, 3. Aufl. 1910 (vorzügliche Ausgabe für Schulzwecke undVorlesungen); Paul Piper, Die altsächsische Bibeldichtung (Heliand und Genesis) 1. Teil,Text, Stuttgart 1897. Nachbildungen: Könneckes Bilderatlas 6 (aus C und M); Petzet undGlauning VII. Übersetzungen: C. W. M. Grein, 2. Aufl., Kassel 1869; K. Simrock, 3. Aufl.,Berlin 1882, und in K.Simrocks ausgewählten Werken, Leipzig 1907, Bd. 12; Paul Herrmann,Reclams Universalbibliothek 3324. 25, Leipzig (1891).

Hss. 1 ) Erhalten sind zwei vollständige Handschriften und Fragmentezweier anderer. M. Monacensis, Münchener Hs., Hs. der kgl. Bibliothekzu München Cgm. 25, Kleinfolio, 75 Bl., 9. Jh., ist nicht ganz vollständig:vor dem letzten Blatt ist eine größere Lücke, außerdem fehlt das ersteBlatt und je eines nach Bl. 33. 37. 50. 57. 67. Die Schrift ist sauber, derText sorgfältig, wenn auch nicht ohne Auslassungen und Fehler; Korrekturen,vom Schreiber selbst, sind selten. Die Verse sind nicht abgesetzt. Absätzesind durch größere Anfangsbuchstaben bezeichnet. Der Dialekt ist reinsächsisch, doch mit hochdeutschen Spuren. Der Entstehungsort ist nichtermittelt. Jedenfalls schon im Jahr 1611 befand sich die Hs. in der Bibliothekdes Domkapitels zu Bamberg, denn aus diesem Jahr stammt laut Inschriftder jetzige Einband. Es ist möglich, dass sie schon von Kaiser Heinrich IL,dem Gründer des Bistums Bamberg (1107) und seinem eifrigen Förderer,der Dombibliothek einverleibt wurde, aufgefunden aber wurde sie daselbsterst 1794 von dem lothringischen Emigranten Abbe Gley. Bei der Zentrali-sierung der bairischen Klosterbibliotheken 1804 kam sie nach München.

') Beschreibung und Dialekt der Hss. so-wie die Literatur darüber s. in den Einleitungender Ausgaben von Heyne, Sievers, Behaghel,Piper; ferner bei Braune, Lit. Nachw. S. 198;

Gallee, Altsächsische Sprachdenkmäler S. 3bis 14; Kelle, LG. 1,115 f. 348; Kögel, LG. 1,281283, Grundr. 3 S. 9698.