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Teil 1 (1918) Die althochdeutsche Literatur
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148
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148 II. Die Literatur von der Mitte des achten bis zur Mitte des elften Jahrhunderts.

häufend, schildert der Prediger den Weltbrand, bis er mit einer schwer demGewissen der Hörer lastenden Frage abschließt (v. 60), um darauf in langsamgetragenen Reimpaaren die endgültige, die vernichtende Antwort zu geben:das ist ein Meisterstück geistlicher Rhetorik. Hier wirkt die Parataxe wuchtig,während die lehrhaften und schildernden Teile (v. 130. 3136. 6372.73104) stellenweise Hypotaxe und ein weniger lebendiges Tempo haben.Vieles freilich ist gerade in dem Abschnitt v. 3762 den lateinischen Quellenentlehnt. So hat die ergreifende Schilderung des Weltbrandes, wie erwähnt,schon sehr ähnliche lateinische Vorbilder.

Die Ausdrucksformen des germanischen Epenstils sind nicht alle ver-wendet. Von den wichtigsten Arten desselben fehlt der Dialog ganz. Formelnsind nicht gerade häufig: germanisches Erbgut darunter ist [dar scajl dennehant sprehan, houpit sagen, aller[o UJdo uuelih 91 f. Die Einleitungsformelzum Eliaskampf Daz hörtih rahhön 37 ist eine Nachbildung nach dem Musterepischer Formeln wie die im Hildebrandslied Ik glhörta etat seggen. Neu er-worbene Formeln aus der christlichen Lehre sind in fuir enti [in] finstri 10, lipäno töd, Höht äno finstri 14, töten enti quekkhen 86 [vgl. 74 a]. Die Gegenüber-stellung der beiderseitigen Behauptungen der Weltweisen und Gottesmänner(v. 37 und 48) ist nach der Methode einer gelehrten Abhandlung. Die Kampf-schilderung selbst ist ungermanisch, nichts von Speerwurf, Zusammenprallenund Schildspalten wie im Hildebrandslied; und darin sogar das Fremdwortkösa = lat. causa, die Streitsache, der Prozeß, v. 40. Variationen sindziemlich häufig: lip äno töd, Höht äno finstri 14 und dazu selida äno sorgun15. Den alliterierenden Vers 14 hat auch Orfrid mitten in seinem Reimgedicht1, 18,19; ebenso oder ähnlich findet er sich noch in Gedichten des 12. Jahr-hunderts, auch im Ags.; es ist eine aus der lateinischen kirchlichen Literaturübertragene Formel (lux sine tenebris et vita sine morte), die offenbar inDeutschland früh, wohl in Predigten, verbreitet war, und als allgemein be-kanntes Zitat ist sie vom Dichter des Muspilli und von Otfrid ohne gegen-seitige Abhängigkeit aufgenommen worden (MSD. II 3 , 32f.); pH kiuuinnit,hüs in himile 16f.; hella fuir ..., pehhespina 21 f.; huckan za diu, sorgendräto 23f.; uue demo in vinstri scal sino virinä stüen, prinnan in pehhe25f.; stet pi demo altfiante, stet pi demo Satanase 44f.; [f]ona dem moltuarsten, lössan sih ar dem le[uuo] vazzön 81 f.; suonnan scal [enti] ar-teillan scal 85 f.; engilo menigi, guotero gomöno 87 f.; dio er in dem me[n-niski anfenc], dio er duruh desse maneunnes minna [fardoleta] 102 f.

Verstand es der Dichter, in großen Zügen dramatisch zu wirken, so hater auf den Ausdruck im einzelnen keine besondere Rücksicht genommen.Er wiederholt oft Formeln, Wendungen, syntaktische Fügungen, Hilfsverba(MSD. 113, 3 8 . 4i).

Der geschulte geistliche Prediger zeigt sich in der Gliederung der Ge-danken. Manche Stellen sind in systematische Disposition gebracht, oft, demDualismus des Stoffes entsprechend, in Antithese. Z. B. v. 2. 3 Bedingung