B. Die Literaturdenkmäler. 1. Poetische Denkmäler. §29. Muspilli. 147
bolo contra Judaeos eingetragen ist: sie liegt in der Verwandtschaft des Inhalts.Kap. 3 und 4 der Predigt enthalten ebenfalls das Gericht, wenn auch in etwasanderer Fassung (die Seele wird dem Gerichtsdiener, dem Teufel, übergeben,nach Matth. 5, 25; dieser wird als Ankläger auch beim jüngsten Gericht an-wesend sein); und in Kap. 16 der Predigt ist das sibyllinische Orakel vomWeltbrand aufgenommen, dem zum Teil genau die Verse 51—59 des Ge-dichtes entsprechen.
Die religiösen Grundgedanken. In dem Gegensatz zwischen derHerrlichkeit des Himmelreichs und den Schrecknissen der Hölle, der schonim Neuen Testament ausgebildet ist, liegen die beiden Pole des christlichenZukunftsgedankens. Die Lehren der Mission in Deutschland bestanden, wiedas Wessobrunner Gebet zeigte, in dem Dualismus von Gott und Teufel,Gnade und Sünde, Gottes Willen tun und die Werke des Teufels meiden. Sieliegen auch unserm Gedicht zugrunde: Kampf der Engel und der Teufel;der Sündige soll sorgen vor der Hölle (v. 24), Gnade wird er nicht er-langen (v. 28); jedem ist not, Gottes Willen zu tun (v. 20. 30) und mitEifer sich zu bemühen, das Feuer Satans zu vermeiden (v. 18—27). Es istaber der Begriff der Sünde jetzt erst ausgeprägt. Während im WessobrunnerGebet der nicht an Gott Glaubende als Diener des Teufels, der alten Götteraufgefaßt wird, ist er hier in eigentlich christlichem Sinne der von Gott ab-gefallene und darum von ihm verworfene Sünder; dort ist die Sünde sovielwie Heidentum, hier ist diese Beziehung aus dem Begriff „ Sünde" geschwunden.Jetzt erst ist der Unterschied zwischen dem Gerechten und dem Sündergemacht. In Sündengefühl und Höllenstrafe gipfelte nun die Lehre, die dieKirche dem Volke bot, und bange Sorge erfüllte die Gemüter vieler um dieZukunft des Gerichts. 1 ) Lösen aber konnte von der Sünde die Buße mit derVollbringung guter Werke: Cizzan er iz mit alamusanu furi/megij enti mitfastun dio virinä kipuaztfij 97 f.
Das Gedicht ist ein Erzeugnis der geistlichen Literatur und diesem Ur-sprung entspricht auch sein Stil. Die Erzählung ist stark theologisch be-handelt, d. h. von lehrhaften Bestandteilen durchzogen. Unmittelbar predigt-artige Stellen, schon sprachlich als Lehren und Ermahnungen gekennzeichnet,sind v. 18—22 und dazu v. 31 f. pidfiu ist dürft] mihhil allem manno uae-lihemo, daz . . ., und v. 63 ff. pidiu ist demo manne so guot. . . daz; oderv. 6 sorgen mac diu sela, v. 23 f. so mac huckan za diu, sorgen dräto . . .Auch der vor den ersten erhaltenen Versen vorhergehende Gedanke scheinteine Mahnung enthalten zu haben. So ist der ganze erste Teil, v. 1—30,eine Mischung von epischen und paränetischen Elementen, v. 31—36 undv. 73—103 sind schildernd, v. 63—72 lehrhaft. In der rein epischen Partiev. 37—62 steigert sich die Sprache gegen das Ende zu gewaltiger Wirkung.In kurzen, Schlag auf Schlag folgenden Sätzen, Schrecken auf Schrecken
Hauck, Kirchengesch. 2 2 , 766 f.
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