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Teil 1 (1918) Die althochdeutsche Literatur
Entstehung
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146
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146 II- Die Literatur von der Mitte des achten bis zur Mitte des elften Jahrhunderts.

ein Vertreter der Sache der Menschen auftreten: Elias, der berühmtere vonbeiden, wurde beibehalten und Enoch mußte aufgegeben werden. Daß dannaus dem aus Elias' Wunden träufelnden Blut der Weltbrand entsteht, ist sonstnur noch aus russischen Legenden bekannt. 1 )

Die unmittelbare Vorlage für unser Gedicht war eine lateinische Predigtbezw. das Gedicht beruht großenteils auf einer solchen Darstellung der letztenDinge, wie sie in der lateinischen Predigtliteratur üblich war. Ephraem hatwohl auf diese stark eingewirkt, direkte Parallelstellen aber finden sich inPredigten des Cäsarius und des Eligius von Noyon (| 658). 2 )

Einiges ist volkstümliche Auffassung. So außer dem Zweikampf desElias mit dem Antichrist (in der Auslegung der Weltrecht-Kundigen) nochv. 60Wo ist dann das Grenzland, wo man einst mit seinen Verwandtenstritt?" 3 ) In dem einen Verse ist die Verderbtheit der Welt getroffen, derEigennutz, der die festesten Bande der Sittlichkeit lockert. Denn der Streitmit den Verwandten ist ein Bruch der Sippe, eine Verletzung der Treue, dieschlimmste Entartung. Auch die Vermahnung gegen die ungerechten Richterv. 6372 ist im Sinne der Zeit gegeben. Es war eine der HauptaufgabenKarls des Großen, das Recht zu regeln und auch in der geistlichen Literaturwar der Kampf gegen die Bestechlichkeit der Richter ein beliebtes Thema(Theodulfs v. Orleans Paraenesis ad judices v. 97356; Alcuin, De virtutibuset vitiis; Walahfrid Strabos Visio Wettini, Migne 114.1075D).*) Aber im Grundeist dieser Gedanke hier schon im Stoff selbst gegeben, da Gott als gerechterRichter ohne Ansehen der Person urteilt (vgl. dazu bes. den pseudoaugusti-nischen Sermo Kap. IV).

Unter den Sünden, die noch vor Gericht bekannt werden müssen, wirdder Mord hervorgehoben, v. 93, der auch in den germanischen Gesetzen zuden schwersten Verbrechen gehört und mit der höchsten Buße belegt wurde.Die Gerichtssitzung v. 8588.91 f. schöpft der Verfasser unmittelbar aus seinerZeit und aus seiner Erfahrung.

Aus solchen aktuellen Beziehungen, besonders aus der Rüge der Richter,hat man geschlossen, das Gedicht sei für die höhern Stände verfaßt. Aberdas ist ohnedem der Fall, denn die ahd. Poesie war aristokratisch und immerfür die Herren berechnet.

Alle Motive des Gedichtes also sind dem christlichen Vorstellungskreiseoder zum geringern Teile dem Leben der Zeit entnommen. Heidnisch-mythologische Züge, die man früher darin fand (bes. im Kampf zwischenElias und dem Antichrist und im Weltbrand), sind keine vorhanden, außeretwa eine völlig verblaßte Reminiszenz in dem Worte muspilli.

Schließlich läßt sich auch die Veranlassung erkennen, weswegen dasGedicht gerade in die Handschrift der pseudoaugustinischen Predigt De sym-

!) Heinzel a. a. O. u. Kl. Sehr. S. 426.

2 ) Guntermann a. a. O.

3 ) Grau S. 239 f.

4 ) Kelle, LG. 1,361; Kraus a. a. 0.342 f.;Grau S. 242.