B. Die Literaturdenkmäler. 1. Poetische Denkmäler. § 29. Muspilli. 141
Noch ist zu erwähnen die Überschrift über dem Wessobrunner Gebet:De poetaS) In den meteorologischen und geographischen Aufzeichnungendes Kompendiums ist De öfter am Anfang neuer Abschnitte gebraucht beiWorten, die den Inhalt des dazu gehörigen Textes angeben, z. B. De uariisprouintäs, De ciuitatibus, De mensuris u. a. De poeta bedeutet also wohlnichts weiter als „vom Dichter", d. h. daß der Text ein Gedicht ist.
Dem Eintrager des Gedichtes kam es nur darauf an, die Schöpfungs-geschichte und Gott als den Anfang aller Dinge mitzuteilen. Viel konnteer auch nicht bringen, da das ganze Kompendium überhaupt nur in kurzeStücke gegliedert ist. Er brach ab mit einer passenden Stelle, das ist cothellac, in welchen Worten ja auch die ganze Gedankenreihe gipfelt. 2 ) Darankonnte er dann auch das Gebet leicht anschließen. Dieses hat er selbst ausgeläufigen Formeln zusammengestellt.
§ 29. Muspilli.
MSD.Nr.3u.II 3 ,30—41.474; Braune, LB.Nr.30u.S.189—191;PiPER,Ält.d.Lit.S.149—157;Kelle, LG. 1,139—146.358—361; Kögel, LG. 1, 317—332 u. Ergänzungsheft zu Bd. 1 S.25L,Grundr. 2 S. 109—112; Steinmeyer, Ergebnisse S. 213 f. — Erste Ausgabe von J. A. Schmeller,Muspilli, Bruchstück einer alliterierenden Dichtung vom Ende der Welt, mit Faksimile, NeueBeiträge zur vaterländischen Geschichte, Geographie und Statistik 1, München 1832, S.89—117,zweiter besonderer Abdruck mit Faksimile und Glossar, München 1832; W. Wackernagel, Alt-deutsches Lesebuch 1835 ff.; MOllenhoff, Altdeutsche Sprachproben 1871 ff.; Faksimile beiEnneccerus 11—16, Petzet und Glauning VI. — F.Vetter, Zum Muspilli und zur ger-manischen Alliterationspoesie, Wien 1872; derselbe, Zum Muspilli, Kritisches und Dogmatisches,Germania 16,121—155; Piper, Z. f.d. Phil. 15,69—104; W.Wilmanns, Göttinger gel. Anz. 1893,532 f.; R. Heinzel, Z. f. d. Österreich. Gymnasien 43 (1892), 748 u. Kl. Sehr. S.425f.; C. Kraus ebda45 (1894), 131 f.; 47 (1896), 342—348. — Zu den Quellen: ZARNCKE, Ober das althochdeutscheGedicht vom Muspilli, Berichte der kgl. sächsischen Gesellschaft der Wissenschaften 18 (1866),191 ff.; Gust. Grau, Quellen und Verwandtschaften der älteren germanischen Darstellungendes jüngsten Gerichtes, Studien zur englischen Philologie XXXI, Halle 1908 (dazu Guntermann,Z. f. d. Phil. 41, 408—415; Ehrismann, Z. f. d. A. 53, Anz. 35,188—196); G. Nölle, Die Legendevon den fünfzehn Zeichen vor dem jüngsten Gerichte, Beitr. 6,413—476; K. Reuschel, Unter-suchungen zu den deutschen Weltgerichtsdichtungen des 11. bis 15. Jhs., I: Gedichte des 11.bis 13. Jhs., Leipziger Diss. 1895; derselbe, Die deutschen Weltgerichtsspiele des Mittelaltersund der Reformationszeit, Leipzig 1906; K. Strecker, Dies irae, Z. f. d. A. 51, 227—255;G. Voss, Das jüngste Gericht in der bildenden Kunst des frühen Mittelalters, Beiträge zurKunstgeschichte H. 8, Leipzig 1884; Bernh. Atzberger, Geschichte der christlichen Escha-tologie innerhalb der vornieänischen Zeit, Freiburg i. B. 1896.
Hs.: Kgl. Bibliothek in München, Cod. lat. 14098 aus dem Kloster St. Em-meram in Regensburg. Der Kodex, wie er jetzt gebunden ist, besteht aus zweiganz verschiedenen Teilen: der erste Teil, Bl. 1—60, ist eine Hs. des 14. Jahrh.und enthält die lateinischen Traktate des Bruders David von Augsburg. Derzweite Teil, Bl. 61—121, die Hs. unseres Gedichtes, ist geschrieben am Anfangdes 9. Jahrh. und enthält bis Bl. 119b den Sermo S. Augustini de symbolo contra
')MSD.II 3 ,l;HEiNZELa.a.O.S.419—421 j An und B zusammen verfaßt hat. Freilich
(bes. Anm. S. 420; Kraus, Z. f. d. Österreich, j hätte er dann aus Unvermögen oder Unlust
Gymnasien 45 (1894), 130. die Erzählung mitten abgebrochen (mit enti
2 ) Möglich wäre, daß der Eintrager selbst cot heilac).