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Teil 1 (1918) Die althochdeutsche Literatur
Entstehung
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137
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B. Die Literaturdenkmäler. 1. Poetische Denkmäler. §28. Wessobrunner Gebet. 137

Das führt endlich auf den Ursprung und die Heimat der beidenTeile. Sie haben verschiedene Verfasser, wie schon der Stil zeigt. Ai ent-hält Grundsätze der angelsächsischen Heidenbekehrung. Von den Angel-sachsen wird auch die Urform dieses ersten Teiles stammen oder es wirdwenigstens bei den Angelsachsen der Urzustand der Welt zuerst in ähnlicherWeise (indem das uranfängliche Nichts gleichsam exegetisch bezeichnet wurdedurch das Fehlen wichtigster in der Landschaft sichtbarer Dinge) besungenund dann in dieser Gestalt von da aus in Oberdeutschland bekannt gewordensein. Diese kam nach Baiern und wurde von einem bairischen Dichter fort-gesetzt (An), der den ihm überlieferten ersten Teil (Ai) im Sinne der christ-lichen Legende, die Gott von den Engeln umgeben an den Anfang der Weltsetzt, weiter führte.

Die Entstehungszeit ist nicht sicher anzugeben. Gedichte in der Weisedes ersten Teils gab es bei den Angelsachsen jedenfalls schon seit der frühstenZeit ihrer christlich religiösen Dichtung. So wie das Gedicht als bairisches unsvorliegt, ist es wohl in Baiern im letzten Drittel des 8. Jahrhunderts verfaßt. 1 )

Über die Metrik 2 ) ist nicht leicht zu urteilen, zumal zwei Verse desersten Teils nicht lückenlos überliefert sind. Doch ist zu erkennen, daß dieVerse von Ai rhythmisch regelmäßiger und kräftiger gebaut sind als die vonAn: hier fällt auf, daß das schwach betonte uuas 6 a eine Hebung trägt unddaß in der zweiten Halbzeile, 6b, die zweite Hebung, uuenteo, den Haupt-stab enthält statt der ersten; in der schleppenden Halbzeile 8b kommt auchkeine rechte Betonung heraus: außer manake sind nur bedeutungsschwacheWörter darin, die zweite Hebung muß auf das im Sinn nicht stark hervor-tretende mit inan (oder mit inän, MSD. II S , 6) fallen.

Der dritte Teil, B, Z. 1014, ist ein prosaisches Gebet:AllmächtigerGott, der du Himmel und Erde gemacht hast und den Menschen so vielGutes verliehen hast, verleih mir rechten Glauben an deine Gnade und gutenWillen, Weisheit und Klugheit und Kraft, den Teufeln zu widerstehen unddas Böse zu meiden und deinen Willen zu tun."

Das Gebet ist an Gott gerichtet, er wird angerufen als der allmächtige,als der Schöpfer Himmels und der Erde, als der gütige. Mit dem zweiten

') MOllenhoff, MSD. II 3 , 2. 6 hält den sammensetzungausVersenundProsa.abererstersten Teil für den Eingang eines sächsischen, in seinem in der Z. f. d. Phil. 1,291 ff. (1869) er-den zweiten für den eines hochdeutschen, \ schienenen Aufsatz gab er die richtige Abgren-vielleicht bairischen Gedichts; Kögel, LG. 1, ! zungmitZ.9(S.308f.). Müllenhoff, Decarmine270 nimmt Teil I und II für sächsisch an, i Wessof. (MSD. II 3 , 6 f.) hielt den prosaischen

Kögel, Grundr. 2 S. 90 f. das ganze Denkmalfür bairisch, ebenso Kelle, LG. 1,77.

2 ) Sievers, Altgerm. Metrik S. 171; Saran,Verslehre S. 223 ff.; Kögel, LG. 1,288 m ff.Da das Denkmal in nicht abgesetzten Zeilengeschrieben ist, wurde es von den ältesten

Teil für einen poetischen Versuch, den der Zu-sammensteller von Ai und An angefügt habe.In A i fand er die Form des Ljödahättr, einer nurim Altnordischen vorkommenden Strophen-form (zwei Halbstrophen, jede Halbstrophebesteht aus einer aus zwei Halbzeilen ge-

Herausgebern für ein Prosastück gehalten. Erst bildeten Langzeile mit darauffolgender Halb-

vondenBrüdernGrimm(1812)wurdeesinVer- zeile). Jetzt ist man darüber einig, daß Ai

se gegliedert und zwar durch den ganzen Text. ! und An in einfach alliterierenden Langzeilen,

Wackernagel (Lesebuch 1827) erkannte die Zu- | B aber in Prosa verfaßt ist.