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Teil 1 (1918) Die althochdeutsche Literatur
Entstehung
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135
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B. Die Literaturdenkmäler. 1. Poetische Denkmäler. §28. Wessobrunner Gebet. 135

ags. middanjeardm., as. mlddllgard m. = ahd. mittelgart m. Die Stimmung injenen Beowulfversen ist die gleiche wie in dem ags. Spruch gegen verzaubertesLand (Grein-Wülcker 1, 312316): ein Erfülltsein von der Freude über dieSchönheit der Erde, aber mit der Schönheit unlöslich verbunden ist der Begriffdes Nutzens, den die Erde den Menschen bringt; im Beowulf sind Sonneund Mond in Hinsicht auf den Menschen geschaffen und in dem Segen-spruch ist der Fruchtbarkeit der Erde das Hauptinteresse gewidmet. Gottder Schöpfer hat die Erde geschmückt (wlitebeorhtne wanj Beow. 93 =wlitijijan pas wancsturf im Segen 35; Beow. 96 f. wird die Erde mit Laubgefüllt, dem entspricht im Segen seleafan 3,4). Das Lied des Hofsängersalso, der Beowulf, steht hier in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Zauber-spruch. Der Gedanke der Weltschöpfung gehört demnach sowohl zur Er-bauung in den Liedern der Vornehmen wie zum einfachen Volksglauben.Da der ags. Erdsegen sicher von heidnischen Gebräuchen ausgeht, so istanzunehmen, daß es im Heidentum auch Umzugs- und Bittgesänge, Hymnenzum Preis der Nahrung spendenden Erde gab (s. S. 8. 30 f.). Ob sie aber auchetwas von der Entstehung der Welt aussagten, ist nicht zu erschließen; wahr-scheinlich enthielt die primitive Vorstellung nur die Erde als Mutter derMenschen, vielleicht auch als Zeugerin im Verein mit einem andern Gotte, demHimmelsgott. Der allwaltende Gott als Weltschöpfer war erst eine christlicheErweiterung, wie auch die Aufzählung dereinzelnenBestandteiledes Weltganzen.

Die viel erörterte Frage, ob die ersten vier Zeilen des WessobrunnerGebets heidnischen oder christlichen Ursprungs sind, 1 ) wird also dahin zubeantworten sein, daß hier die traditionelle christliche Form gegeben ist, wiesie im germanischen Frühchristentum bei der Belehrung über die Welt-schöpfung durch die Missionare gebräuchlich war. Diese trifft zusammenmit uralten religiösen Vorstellungen des germanischen Heidentums, wo Erdeund Himmel, Sonne und Mond kultische Verehrung genossen.

Der Grundgedanke des zweiten Teiles, An, so weit dieser erhalten ist er bricht mitten in einem Satze ab, lautet: Gott war vor der Welt,also: er ist ewig; und er ist der eine und der allmächtige. Das sind dreiGrundeigenschaften Gottes. Gerade auf diese zielt Daniel von Winchesterin seinen Ratschlägen zur Heidenbekehrung. Vor allem aber will er, daßGott als Weltschöpfer den Heiden klar gemacht werde. Das ist nicht mehrin unserm Gedicht erhalten, gehört aber notwendig in eine christliche

J ) Nach Müllenhoff, MSD. II 3 S. 2 sind j Verschmelzung heidnischer und christlicherv. 14der Eingang eines alten heidnischen ] Glaubensanschauungen, ist das finnische Epossächsischen Gedichtes, das vom Anfang der Kalewala, vgl. Golther, Lit. Bl. 1910, 227).Dinge ähnlich wie die Völuspa handelte": ! Wackernagel trat zuerst für den christlichenIn der Urzeit war's, als Ymir lebte: da war | Ursprung ein; solchen nehmen auch an Stein-nicht Kies noch Meer noch kalte Woge; nicht | meyer, MSD. II 3 , 8; Golther, Mythoi. S. 507;Erde gab es noch Oberhimmel, nur gähnende Kogel, LG. 1,270, Grundr. 2 S.92 hält den Ver-Kluft, doch Gras nirgends" (Str. 3). DieVolusp9 fasser für einen christlichen Volksdichter, demsteht aber auch schon unter christlichem Ein- ein heidnisches Gedicht verwandten Inhaltsfluß (sehr lehrreich für den Synkretismus, die j im Sinne lag; s. auch Helm, Beitr. 32,99112.