Druckschrift 
Teil 1 (1918) Die althochdeutsche Literatur
Entstehung
Seite
132
Einzelbild herunterladen
 

132 II. Die Literatur von der Mitte des achten bis zur Mitte des elften Jahrhunderts.

Z. f. d. Österreich. Gymnasien 21 (1870), 5359 u. Kl. Sehr. 1, 194200; R. Heinzel, Z. f. d.Österreich. Gymnasien 43 (1892), 741 ff. u. Kl. Sehr. S. 419423 (s. auch S.4f.); C. Kraus,Z. f. d. Österreich. Gymnasien 45 (1894), 130. 47 (1896), 340 f.; A. Heusler, Z. f. d. A. 40, Anz.22,252. Nachbildungen: Enneccerus 9.10; Könneckes Bilderatlas S. 5; Erich Petzetund Otto Glauning, Deutsche Schrifttafeln des IX. bis XVI. Jahrhunderts aus Handschriftender kgl. Hof- und Staatsbibliothek in München, München 1910 ff., 1.

Hs.: München Cod. lat. 22053 aus Kloster Wessobrunn in Oberbaiern(südlich von München), kl. 4°, Anfang des 9. Jahrhunderts. Die Handschrift ist ausdrei ursprünglich getrennten Teilen zusammengesetzt. Am Schluß des drittensteht die Notiz Ab incarnatione domini anni sunt DCCCXIIII. Der mittlereTeil des 100 Blätter umfassenden Kodex, Bl. 22a66b, enthält verschiedeneStücke theologischen und geometrischen und geographischen Inhalts und amSchluß auf Bl. 65b 66a unser Denkmal unter der Überschrift De poeta. Esist fortlaufend wie Prosa geschrieben, doch sind die Zeilen bezw. Kola meistdurch Punkte abgeteilt. Auf den vorhergehenden Blättern, 58a64 a, sind ver-schiedentlich deutsche Glossen in bairischer Mundart zerstreut (Ahd. Gl. 4,575f.).

Das Denkmal besteht aus zwei verschiedenen Stücken, einem poetischen(A = v. 19 bei Braune) und einem prosaischen (B = v. 1014). Daspoetische Stück zerfällt wieder in zwei Abschnitte (Ai = v. 14, Ah =v. 59). In der Handschrift sind die drei Abschnitte Ai An und B durchrot ausgezeichnete Initialen gekennzeichnet.

Der Dialekt 1 ) von A ist bairisch (ö ist erhalten in cootlthhe 9; anl. pin paum, pereg 3; anl. k in cot 7. 9, cootlthhe 9, inl. almahttco 7, tnanake 8;Sekundärvokal zwischen r und g: pereg3); jedoch mit folgenden Ausnahmenin den beiden ersten Versen: Dat 1. 2, das as. oder auch mfrk. bezw. ndfrk.sein kann; gafregln Ih ist das as. glfragn Ik oder ags. jefreejn ic, wobei das eentweder Wiedergabe des ags. ce ist oder Umlaut des a durch das angelehnteIh mit Übergangslaut i zwischen g und n. Die Sprache des Gedichtes ist alsobairisch mit altsächsischen oder angelsächsischen Spuren (Braune LB. S. VIII). DieHeimats- und Zeitfrage kann erst nach Darlegung des Inhalts behandelt werden.

B, der prosaische Teil, ist in rein bairischer Mundart geschrieben (inl. pin forgäpl 11, galaupa 12; 6 in cötan 12, uutstdm 12).

Orthographie. Für ga () steht viermal das ags. Runenzeichen x(dasselbe findet sich auch in dem außerhalb unseres Gedichtes, Bl. 63a, amRand stehenden Wort kazangall; ahd. kazungalt ist == poesls [Graff 5, 683],zu zunga llngua = Sprache), für entl immer, außer einmal (Z. 12), das ags.~i(= lat. et). Für die Heimat des Gedichtes, also etwa für angelsächsischenUrsprung des ganzen Stückes beweisen diese ags. Abkürzungen nichts, dasie auch in der Schreiberschule eines deutschen Klosters gebraucht wordensein konnten. Daß sie in der Tat bloß von einem Schreiber herrühren, dasbeweist der Umstand, daß die Rune x auch in dem gar nicht zu dem Gedichtgehörenden kazungalt steht.

») MSD. II 3 a.a.O.; Kögel, LG. 1, 270 ff., Grundr. 2 S. 90 f.; Kraus a. a. O. S. 340 f.