120 H. Die Literatur von der Mitte des achten bis zur Mitte des elften Jahrhunderts.
reccheo 48 ist ahd., da es as. wreccheo heißen müßte.
sehstic 50 ist as., ahd. wäre die Endung nicht -zic, sondern -zuc.
wel 59 ags. und as., ahd. ist wela und wola.
Das Präfix für- in furlaet 20, furnam 43 ist ostfränkisch.
Die Konjunktion 'und' begegnet in der ahd. Form unti 67 neben anti 16,enti 3. 19. 50, die auch, abgesehen von dem t statt d, as. sein können.
Das Ergebnis für die Feststellung der ursprünglichen Mundart sprichtfür das Althochdeutsche; für dieses beweisen: 1. die tt für zz; 2. suäsatstatt as. suäs, die zweisilbige Form mit der ahd. Endung wird durch dasVersmaß geboten, da die durch -at bezw. -az gebildete Endung die Senkungfüllt; 3. reccheo statt wreccheo, das r statt wr wird als ursprünglich erwiesendurch die Alliteration zu riche.
Die auffallendste Erscheinung in der Sprache des Liedes ist die, daßkeine z, Spirans und Affrikata, vorkommen. Die niederdeutschen Schreiberhatten eben den Laut nicht in ihrer Sprache und gerade in dem 3 bezw. zliegt der auffallendste akustische Unterschied bei den Konsonanten zwischendem Hochdeutschen und dem Niederdeutschen. Darin weicht das Hildebrands-lied von den spätem prosaischen niederdeutschen Abschriften hochdeutscherOriginale (das sind die as. Glossen) ab, denn diese sind inkonsequent,indem sie sowohl das hd. z beibehalten als auch daneben es in ihr nieder-deutsches t rückwandeln.
Zu einer genaueren Begrenzung des Dialektes innerhalb des Hoch-deutschen geben die Formen keinen sichern Anhalt. Die ao für 6 sindbairisch, das Präfix für- ist ostfränkisch. Diese beiden Gebiete kommenalso am ehesten in Betracht.
Der Wortschatz hat manche Bestandteile, die sich in der uns erhaltenenalthochdeutschen Literatur nicht finden, wohl aber im Altsächsischen oderim Angelsächsischen oder in beiden Sprachen. Darauf besonders wurde dieAnnahme niederdeutscher Entstehung des Gedichtes gegründet. Aber denWortbelegen kommt keine Beweiskraft zu, da wir von althochdeutscher stab-reimender Versdichtung eben nur das Hildebrandslied mit seinen bloß ca.68 Versen besitzen, während fast die gesamte angelsächsische und altsächsischeDichtung in der alten epischen Sprache abgefaßt sind. Wenn also einigeWörter des Gedichtes sonst in der althochdeutschen Literatur nicht nach-zuweisen sind, jedoch in der angelsächsischen und altsächsischen, so liegtdas an dem dürftigen althochdeutschen Material.
Aber für den Sprachschatz des Gedichtes haben diese nur hier belegtenWörter, die änai foyöpeva, ihre Bedeutung. Sie zeigen doch, wie eigenartigsich der epische Stil von der uns erhaltenen althochdeutschen Literaturspracheabhebt. Manche Wörter fehlen in dieser gewiß nicht aus Zufall wie hilti Kampf,giwitan gehen, gimahalen eine Rede halten, sprechen, denn es war doch inder umfangreichen ahd. Überlieferung Gelegenheit gegeben, daß sie gebrauchtworden wären. Das sind veraltete, epische Worte. — Die &raf Xeyöfxeva sind: