116 II. Die Literatur von der Mitte des achten bis zur Mitte des elften Jahrhunderts.
die Brüder Grimm, Cassel 1812; Wilhelm Grimm, De Hildebrando antiquissimi carministeutonici fragmentum, Göttingen 1830; Karl Lachmann, Über das Hildebrandslied, Abhand-lungen der Berliner Akademie 1833 (1835), 123—162 u. Kl. Sehr. S. 407—448 (die grundlegendeAbhandlung über das Hildebrandslied); W. Wackernagel, Altdeutsches Lesebuch 1839 ff.;Müllenhoff, Altdeutsche Sprachproben 1871 ff.; C. W. Grein, Das Hildebrandslied nach derHandschrift von Neuem herausgegeben, kritisch bearbeitet und erläutert, mit einer litho-graphierten Tafel, Marburg 1858, 2. Ausg. (mit einer Photographie an Stelle der Tafel) 1880;Max Rieger, Bemerkungen zum Hildebrandsliede, Germania 9, 295—320; R. Heinzel, Überdie ostgothische Heldensage, Wiener SB. 119 (1889), 39—55 (Ausgabe und Stellenerklärungen);C. Kraus, Z. f. d. Österreich. Gymnasien 47 (1896), 316—328 (in der Besprechung von KögelsLG.); Fr. Kauffmann, Philologische Studien, Festgabe für Ed. Sievers, Halle 1896, S. 124—178(I. die Handschrift, II. die Sprache, III. Stellenerklärungen, IV. Geschichte und Sage, V. Stil undMetrik); E. Joseph, Der Dialog des alten Hildebrandsliedes, Z. f. d. A. 43, 59—89; J. Franck,Die Überlieferung des Hildebrandsliedes, Z. f. d. A. 47,1—55; G. Ehrismann, Beitr. 32,260 bis292; Th. vonGrienberger, Das Hildebrandslied, Wiener SB. 158 (1908), Abhandl. 6; F. Holt-hausen, Beowulf, 2. Aufl., 2 Teile, Heidelberg 1909 (darin: Teil 1 S. 114—119 Ausgabe desLiedes, Teil 2 S. XXVI ff. Einleitung, S. 96—100 Wörterbuch, S. 169 f. Anmerkungen); Pongs,Das Hildebrandslied, Marburger Diss. 1913. — Nachbildungen: s. die Ausgabe von Grein;E. Sievers, Das Hildebrandslied, die Merseburger Zaubersprüche und das fränkische Tauf-gelöbnis, mit photographischem Faksimile nach den Handschriften herausgegeben, Halle 1872;Magda Enneccerus, Die ältesten deutschen Sprachdenkmäler, Frankfurt a. M. 1897, 1—4;Könneckes Bilderatlas S. 6, 7.
Das Hildebrandslied ist für die deutsche Literaturgeschichte deshalb vonso hoher Bedeutung, weil es der einzige Überrest der germanischen Helden-dichtung im Althochdeutschen ist, das einzige epische scopfliet der Frühzeit.An ihm allein können wir den Geist und die Form des altdeutschen Volks-epos beobachten.
Der Verfasser war ein Skopf, ein Volksdichter. Die Zeit der Entstehungkann nur vermutungsweise bestimmt werden: das Original wird zwischen750 und 800 fallen. Die Heimat des Gedichtes ergibt sich erst aus dersprachlichen Untersuchung.
Hs.:!) Cod. theol. fol. 54 der Landesbibliothek zu Kassel, theologischenInhalts, in kleinem Format (kl. folio), 76 BL, vom Ende des 8. oder Anfangdes 9. Jahrh., wahrscheinlich in Fulda geschrieben. Das Gedicht steht aufder Vorderseite des ersten und auf der Rückseite des letzten Blattes derHandschrift (Bl. la und 76b). Es ist um 800 eingetragen und zwar von zweiSchreibern, deren erster den größten Teil abfaßte, während der zweite, aufder Rückseite des letzten Blattes beginnend, nur die 7*/a (fortlaufend ge-schriebenen) Zeilen von v. 30 (Hiltibraht) bis v. 41 (du) beitrug. Der Textbricht kurz vor dem Ende des Liedes ab, da kein Raum mehr zum Weiter-schreiben vorhanden war. Er umfaßt 53 Zeilen (24 auf Bl. la, 29 auf Bl. 76b).Die Verse sind nicht abgesetzt, sondern fortlaufend wie Prosa geschrieben.Interpunktion ist vorhanden, aber ohne Regel behandelt.
. Lachmann (s. Kl. Sehr. S. 430) nahm an, die Mönche hätten das Gedicht,das ihnen noch aus ihrer weltlichen Zeit in der Erinnerung stand, aus dem
*) Literatur s. bei Braune, LG., Lit.Nachw. S. 179.