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Teil 1 (1918) Die althochdeutsche Literatur
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B. Die Literaturdenkmäler. 1. Poetische Denkmäler. § 27. Das Hildebrandslied. 115

durch. Aber in allem Wechsel der Zeiten bleiben gewisse Grundmotive be-stehen, zäh wie die Volkssitte überhaupt. Einige heidnisch germanische Typenwurden vom Christentum aufgenommen und, oft nur notdürftig, durch Ein-setzung neuer Werte zu christlichen umgestempelt. Aber weitaus die meistenMotive sind christlichen Ursprungs, vermittelt durch lateinische Formeln.Eine Fülle neuer Formen trat besonders unter Einfluß der lateinisch-christlichenBenediktionen*) hinzu. Gott, Christus, die Heiligen, Personen des Alten undNeuen Testaments werden angerufen oder handelnd eingeführt. Aber es fehltmeist ein starker innerer Gehalt. Die heidnischen Zauberrunen waren eineheilige Sache und bargen tiefe Wissenschaft, Erhabenes wurde hier aus-gesprochen, und das geschah in einer gehobenen Sprache. Den christlichenSegen fehlt diese Weihe. Sie waren nicht nur Besitz besonders Auserlesener,die starke magische Kräfte in sich trugen, sondern jeder konnte sie lernenund anwenden. Sie haben nicht die volle Anerkennung der Kirche, sie ge-hören zu der volkstümlichen Unterströmung primitiver Religion, die mit demAberglauben verwandt ist.

Aber es gibt doch dabei auch poetisch empfundene Sprüche, so z. B.manche Versionen des Segens von den drei guten Brüdern, den drei Frauenoder Mareien, den drei Blumen. Dann sind sie wohl auch zu Volks- undKinderliedern geworden, z. B.:

Es gingen drei Jungfern im Walde,

Die eine pflückt das Gras ab,

Die andre pflückt das Blatt ab,

Die dritte nahm die Rose weg;

oder der oben angeführte Kinderreim:

Heile, heile Sege,Drei Tag Rege,Drei Tag Schnee,'S tut meim liebe Kindle nimme weh;

oder das schöne Marienlied:

Da droben auf dem Berge, da wehet der Wind,Da sitzet Maria mit ihrem Kind,Sie wiegt es mit ihrer schneeweißen HandUnd braucht dazu kein Wiegenband:

das ist die gleiche Szene wie im Tumbosegen: Tumbo saz in (d. h. ursprüng-lich auf dem) berke mit tumbemo kinde enarme.§ 27. Das Hildebrandslied.

MSD. Nr. 2 u. II 3 , 830; Braune, LB. Nr. 28 u. S. 179189; Piper, Alt. d.Lit. S. 142148,Nachtr. S. 197f., Höf. Epik 3,683; Kelle, LG. 1,8185.333 f.; KöGEL.LG. 1,210235, Grundr. 2S. 7181; Steinmeyer, Ergebnisse S. 214 f. Erste Ausgabe von J. G. ab Eckhart, Com-mentarii de rebus Franciae orientalis, Würzburg 1729, 1, 884902; Die beiden ältesten deutschenGedichte aus dem achten Jahrhundert: das Lied von Hildebrand und Hadubrand und dasWeißenbrunner Gebet zum erstenmal in ihrem Metrum dargestellt und herausgegeben durch

') A. Franz, Die kirchlichen Benedikti- | Schönbach, Wiener SB. 142 (1900), 2. Stückonen im Mittelalter, 2 Bde, Freiburg i.B. 1909; | S. 121131; Hauck 2 2 , 754757. 757763.

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