B. Die Literaturdenkmäler. 1. Poetische Denkmäler. §26. m
die Worte des in der Handschrift folgenden lateinischen Segens Ad equossanandos raehin sind „unverständliches Zauberlatein". Jedenfalls ist es dieAbsicht des Besprechenden, den bösen Dämon, der die Krankheit verursacht,auszutreiben, „ins Gebirge" zu jagen: var in dinee clprige (= kiplrge).
Im 12. Jahrhundert aufgezeichnet wurden noch zwei Segen gegen Pferde-krankheiten in einer Pfälzer Hs. des Vatikans, Cod. pal. 1158, abgedruckt inMSD. II 3 , 303 f.
12. Contra uberbein.
MSD. II s , 304 f.; Kögel, LG. 2,163. — Scherer a. a. O. S. 585.
Hs.: Paris Nr. 229.
Das Überbein wird bei dem Kreuz Christi beschworen, zu schwinden undsich ganz abzuschwächen. Voran geht eine lateinische Gebrauchsanweisung:Holz soll man auf das Überbein legen, das Kreuz darüber schlagen und nachdreimaligem Paternoster die deutschen Worte sprechen: Ih besueren dich,uberbein usw. Hier sind die Beziehungen zwischen der magischen Handlungund dem Inhalt der Segensformel besonders deutlich: das aufzulegende Holzerinnert an das Kreuzesholz Christi, zumal noch das Zeichen des Kreuzesbei der Sprechung des Segens zu machen ist. Aber das Auflegen des Holzesist nicht nur eine symbolische Handlung, sondern im Grunde eine reinpraktische, denn auf das aufgelegte Holz wird mit einem Hammer geschlagen,um das Überbein zu zertrümmern bezw. zu zerteilen, was noch heutzutagedie einfachste Heilung desselben ist. — Der Segen ist in Prosa abgefaßt.
13. Segen gegen Verzauberung der Kühe.
MSD. II 3 , 305; Kögel, LG. 1, 267. — F. Vetter, Germania 22, 352 f.
Hs., jetzt verloren, aus St. Gallen stammend, war in Zürich.
Daß es sich um eine Krankheit der Kühe handelt, geht aus dem letztenWort chuospinci hervor. Da aber die Bedeutung desselben nicht klar ist, soist es unmöglich, den Spruch sicher zu deuten.
Die bisher behandelten Sprüche gehören der althochdeutschen Periodean. Aber bei der Geschichte der Segensformeln, die durch die Jahrhundertehindurch fortleben, verwischen die zeitlichen Grenzen, wenn auch formaleGruppen sich im Laufe der Entwicklung deutlich unterscheiden lassen. Darumwird hier der Ort sein, die ältere Literatur zusammenzufassen und die Er-scheinungen auch der folgenden Jahrhunderte bis gegen das dreizehntewenigstens in kurzen Zügen aufzunehmen, da dann im vierzehnten undfünfzehnten Jahrhundert die Menge fast unübersehbar wird. Die Denkmälervon Müllenhoff und Scherer geben auch hier für die Forschung die Grund-lage ab.
Die vier dort aufgenommenen, gereimten Segen aus dem zwölften Jahr-hundert stellen vier Typen dar (MSD. Nr. 47,1—4 u. II 3 , 272—305).