108 II. Die Literatur von der Mitte des achten bis zur Mitte des elften Jahrhunderts.
Der erste Spruch trägt von Z. lb ab den Typus eines Ausfahrts- oderReisesegens (Empfehlung in Gottes Schutz und gesunde Heimkehr). 1 )Der zweite gehört zur Gattung der Bannsegen, durch welche ein Feindoder auch ein Gefangener zum Stillhalten gezwungen wird, womit dannwieder die Blutstillungssegen mit dem typischen Reim stille : wllle ver-wandt sind.
Daß es besondere Segen zum Schutze der Bienen gab, erklärt sich ausdem Wert, den sie für die Volkswirtschaft hatten. Sie lieferten den Honig zueiner Zeit, als es noch keinen Zucker gab und nach Einführung des Christentumsnoch dazu das Wachs für die Kirchenkerzen. Den Wert der Bienen bezeugenauch die besonderen Gesetze, die zu ihrem Schutze gegeben waren: Lexsalica Cap. VIII, De furtis apium (vgl. auch Pfeiffer a. a. O. S. 9; J. Grimm,RA. S. 636). ,
Eine Reihe anderer Bienensegen sind noch nachgewiesen in MSD. II 3 , 92(dazu auch Kögel, LG. 2,156 f.); der altertümlichste ist der altenglische SegenWiä ymbe, Grein-Wülcker, Bibl. 1, 319 f. (s. oben). Der eigenartigste Bienen-spruch ist der von Schönbach, Analecta Graecensia (Nr. 2) zuerst veröffent-lichte lateinische, wo die Bienen ancillae dei, Dienerinnen Gottes, genanntwerden. 2 )
9. Contra caducum morbum (gegen die fallende Sucht).
MSD. II 3 , 300—302; Piper, Nachtr. S. 200 f.; Kögel, LG. 1,265—267, Grundr. 2 S. 67. —Erster Druck von M von Konr. Hofmann, Münchner SB. 1871, 661—664; erster Druckvon P von A. Morel-Fatio, Z. f. d. A. 23, 435 f. — Scherer, Sitzungsberichte der BerlinerAkademie 1885 S. 577 ff. und Kl. Sehr. 1,580—582; Rud. Hildebrand, Gesammelte Aufsätzeund Vorträge S. 209 f.; C. Kraus, Z. f. d. Österreich. Gymnasien 47 (1896), 338—340; Th. v.Grienberger, Z. f. d. A. 42,186—193; S. Singer, ebda S. 365 f.; Mart. Müller S. 20.
Hss.: P. Nationalbibliothek in Paris Nr. 229, 12. Jh., am Schluß einesmedizinischen Traktats Bl. 9b; Überschrift: Contra caducum morbum; Dialektrheinfränkisch; M. Kgl. Bibliothek in München, Cod. lat. 14763, Sammelhand-schrift aus St. Emmeram in Regensburg, 11. Jh., Bl. 88b; Überschrift: procadente morbo; Dialekt bairisch. Der Text von P ist länger als der von Mund hat lateinische Anweisungen zur Vornahme der begleitenden Handlungen.Die Überlieferung ist in beiden Sprüchen sehr entstellt und der Inhalt imeinzelnen deshalb schwer zu erklären.
Unter Zugrundlegung der Pariser Fassung ergeben sich als feste Punktezunächst die lateinische Überschrift mit den darauf folgenden Worten derAnweisung: Accede ad infirmum iacentem, wonach also der Segen gegen dieFallsucht gerichtet ist; die lateinischen Schlußworte, die das Resultat angeben:et mox uidebis infirmum surgere sanum Z. 12 f. (ein lateinischer Hexameter!);endlich die Aufforderung an den Kranken Z. 11: staut uf [swaz dir was,was dir immer gewesen sein mag?], got der gebot [oder = gebietet?] dir ez.
*) Pfeiffer, Forsch, u. Kritik S. 9 Anm. 1.
2 ) Vgl. die ahd. Eigennamen Gotadeo, Cotesthiu, Gotescalc.