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Teil 1 (1918) Die althochdeutsche Literatur
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104
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104 II. Die Literatur von der Mitte des achten bis zur Mitte des elften Jahrhunderts.

II. v. 5 f. sind einer andern Fassung entnommen als v. 14, die aberwegen des unverständlichen bezw. noch nicht sicher erklärten molt petrittonicht erkennbar ist. Jedenfalls aber weist das ke'ken wie erwähnt auf denErzählungskern des ersten Teiles hin, d.i. auf jene Kindheitsgeschichte; imübrigen kann es sich hier nur noch um die Namen handeln. Nur der Anfangder Erzählung und die Schlußformel stant plöt fasto sind erhalten; beidesind stilistisch gleich den entsprechenden Worten des ersten Teils. Vrö istder Herr, Christus, Läzakere jedoch spottet sicherer Deutung. 1 )

Die beiden Segen sind, wie die Geschichte der einzelnen Motive zeigt,christlichen Ursprungs. Möglich ist ja immerhin, daß sich heidnische Vor-stellungen von Balders Tod 2 ) einmischten, aber sie lassen sich in denSprüchen nicht nachweisen.

III. v. 79, derTumbospruch, 8 ) ist nachweislich Übertragung aus demLateinischen. In Aquitanien wurde im 4./5. Jahrhundert ein Blutstillungssegenvon vier Zeilen aufgezeichnet, deren beide ersten lauten: Stupidus in motzteibat, stupidus stupuitA) Noch näher dem Deutschen kommt folgendelateinische Fassung: Stulta femina super fontem sedebat et stultuminfantem in sinu tenebat. 5 ) Der gemeinsame Treffpunkt zwischen derepischen Szene und dem Zweck, dem Stillstehen des Blutes, liegt in demWorte stupidus, das wörtlich mit deutsch tumb übersetzt ist und im latei-nischen Spruch dem konkreten Begriff von stupeo entspricht, also ein Stocken,Stillstehen ausdrückt.

Die metrische Form ist bei den beiden ersten Sprüchen, da sie ausverschiedenen Bestandteilen zusammengeflickt sind, uneinheitlich, v. 1 und 2sind rhythmisch gegliederte Vierheber, wahrscheinlich alliterierend (QenzanJordan giengen); v. 3 und 4 sind reine Prosa, v. 5 ist wieder rhythmisch,aber Reim oder Alliteration ist nicht vorhanden. Im dritten Teil sind v. 7und 9 assonierend schließende Vierheber, Z. 8 hat langsamen Sprechvortrag.

Ein Longinussegen scheint auch der erste Trierer Zauberspruch 6 )gewesen zu sein, der in der oben angeführten Trierer Handschrift auf Bl. 19bverzeichnet ist mit der Überschrift Ad catarrum die. Die Sprache ist altsächsisch.

*) -kerfej ist ger, aber was ist Laza-1Kögel leitet es von läzan ab, das vom Speer-wurf gebraucht wird. Grammatisch könntedann das mittlere a als imperativische Inter-jektion = läzä-gerowirf den Speer" sein.Die schwache Form kere = gero erklärte sichdaraus, daß das Wort ein Kompositum ist,vgl. siechtage; jedenfalls wäre es aber dannkein Eigenname, sondern ein Appellativum,wie auch das von Kögel LG. 1,264 Anm. 1angeführte Himilgero ein dem Träger ver-liehener Beiname, nicht sein Personennameist. Zu verstehen ist unter Läzakere Lon-ginus mit derLanze. In dem ags. Diebssegenbei Grein-Wülcker 1,325,6 tritt ein Gärmundauf, also ebenfalls ein mit einem ger Be-

waffneter. Dieser ist Longinus, denn die ein-leitende Szene, Z. 2 f., ist Christi Kreuzestodund dabei ist Eadelena (Magdalena) genannt.

2 ) Kögel, LG. a. a. O.; Detter, Beitr. 19,511 ff.

3 ) J. Grimm, Mythol. S. 438 u. Nachtr.S.153L; E.H.Meyer, Germ. Mythol. S. 23.143.161; Kögel, LG. a.a.O.;GoLTHER,Mythol.S.190f.

4 ) Aus den Heilformeln des aus Burdigala(Bordeaux) gebürtigen Arztes Marcellus Bur-digalensis, s. J. Grimm, oben bei der Literatur.

5 ) K. Helm, Hessische Blätter für Volks-kunde 8,131135.

6 ) Literatur s. oben beim zweiten TriererZauberspruch.