B. Die Literaturdenkmäler. 1. Poetische Denkmäler. §26. 101
Im Stil ist bemerkenswert der Parallelismus der Glieder in germanisch-formelhafter Weise: dero hunto, dero zöhöno, uuolf noh imlpa, uualdes odeuueges ode heldo.
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3. De hoc quod spurihalz dicunt (Lähmungssegen).
Literatur zu diesem und dem folgenden Spruch (4): MSD. Nr. 4,4.5 u. II 3 , 49—51; Braune,LB. Nr. 45 u. S. 199; Piper, Alt. d. Lit. S. 158; Kelle, LG. 1, 230 f. 393; Kögel, LG. 1, 261 f.,Grundr. 2 S. 65 f. — J. Grimm, Mythol. S. 973.1032; Kuhn, Z. f. vergleichende Sprachforschung13, 63—74.154 f. — Erster Druck von Massmann in Dorows Denkmälern alter Sprache undKunst, l.Bd. Heft 2—3, Berlin 1824, S. 261—271; Graff, Diutiska 2 (1827), 189 f.; Heyne,Kleinere altniederdeutsche Denkmäler 2 S. 91; Wadstein Nr. 5 S. 19 u. 127—129; Gallee, Alt-sächsische Sprachdenkmäler S. 205—207 und Faksimile-Sammlung 6; Mart. Müller S. 22.
Hs.: K. K. Hofbibliothek in Wien Nr. 751, Bl. 188 (auf der letzten Seiteder Hs.), auf lateinische Formeln folgend, 9./10. Jh. Eine Beschreibung derHs. gibt Steinmeyer in den Ahd. Gl. 4,636.
Der Dialekt ist niederdeutsch, mit Ausnahme des hochdeutschen spuri-halz in der Überschrift.
Prosasegen gegen Fußlähmung eines Pferdes. Spurihalz ist ein Adjek-tivum, zusammengesetzt aus spuri, mhd. spur n. f. Spur und halz adj. lahm,also lahm beim Tritt des Fußes; Subst. spurihelti in Z. 3. Z. 1.2a ist dieErzählung, Z. 2b u. 3 die Besprechung. Der erzählte Beispielsfall gedenkt einesFisches, dem die Flossen gebrochen sind und den unser Herr geheilt hat.
Gegen dieselbe Krankheit ist ein altsächsischer Prosasegen gerichtet:
Der zweite Trierer Zauberspruch: Incantatio contra equorutn egri-tudinem, quam nos dicimus spurihalz.
Hs.: Trierer Stadtbibliothek Nr. 40, 10. Jh., 132 Bl. Der Spruch steht amuntern Rande von Bl. 36b.i)
Der Dialekt ist niederdeutsch (altsächsisch), jedoch sind die ursprüng-lichen Sprachformen meist durch rheinfränkische des 10. Jhs. ersetzt. 2 )
„Christus und St. Stephan kamen zur Stadt Salonium, da ward St. StephansRoß von einer Krankheit befallen. So wie Christ St. Stephans Roß heilte, soheile ich mit Christes Hilfe dieses Roß." Darauf folgt die Beschwörungs-formel. Der Standpunkt des Spruches ist ganz christlich, irgend etwas Eigen-artiges findet sich nicht. Die Wiener Handschrift 751 des Segens De hocquod spurihalz dicunt enthält einen ähnlichen lateinischen Spruch, in welchemPetrus, Michael und Stephanus zusammen gehen, wo Michael über das Roßden Segen Gottes und Christi spricht (J. Grimm, Mythol. S. 1033).
Die Krankheit wird im deutschen Segen thaz antphangana genannt,dem entspricht im lateinischen Spruch infusus; Infusio ist der Blutspat oderdie entzündliche Rehe (Gliederlahmheit, DWb. 8,556 u. 557 f. unter reh adj.,Rehe subst., s. unten S. 110), s. J. Grimm, Kl. Sehr. 2,25.
*) Gefunden von F. W. E. Roth, heraus- A. ebda 390—396; Wolf von Unwerth, ebdagegeben und besprochen von Edw. Schröder, 54,155—199.Z. f. d. A. 52,169ff.; dazu R.M.Meyer, Z.f. d. 2 ) Braune, Beitr. 36,551-556.