B. Die Literaturdenkmäler. 1. Poetische Denkmäler. § 26.
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Die Hs., in der Bibliothek des Domkapitels zu Merseburg Nr. 58, istein Sammelband, bestehend aus ursprünglich sechs selbständigen Teilengeistlichen Inhalts, geschrieben im 9./10. Jahrhundert. Sie enthält auch dasfränkische Taufgelöbnis (s. unten). Die Zaubersprüche sind eingetragen aufdem ursprünglich leeren Vorsetzblatt des sechsten Teiles (Bl. 84 a der Hs.),eines Missales aus dem 9., und zwar von einer Hand des 10. Jahrhunderts.Sie wurden entdeckt von Georg Waitz im Jahr 1841.
Die Hs. stammt wahrscheinlich aus Fulda. 1 ) Der Dialekt der Sprücheist am ehesten ebenfalls fuldisch. 2 )
In den Merseburger Sprüchen ist der älteste Typus derZaubergesängeerhalten. Er ist schon eine literarische Gattung mit bestimmter Technik. DerSpruch zerfällt in zwei Teile, einen epischen und einen exorzistischen. Zuerstwird ein Vorgang erzählt als Beispiel dafür, daß einmal in einem ähnlichenFall wie in dem vorliegenden Abhilfe eingetreten ist; oder die Erzählungsteht auch nur in losem Vergleichsverhältnis mit dem eben zu behandelndenFall (sympathetische Auffassung). Der zweite Teil, der Abschluß, die Spitzedes Ganzen, ist die exorzistische Formel, die Beschwörungsformel; in ihr liegtdie eigentlich magische Kraft, durch sie wird die Wirkung erzielt. Die beidenTeile waren wohl auch im Vortrag verschieden. Die Erzählung hatte, obzwarebenfalls in gedämpft rezitatorischer Sprechart langsam und feierlich vor-gebracht, noch freiere Stimmbewegung, die magische Formel aber wurdeeinförmig in gedehnten, tiefen Tönen gesprochen, religiöse Schauer erweckend,denn hier wurden magische Kräfte ausgelöst.
Eine andere in Zaubersprüchen häufig vorkommende Erscheinung istdie Aufzählung, die Reihenbildung. In gleicher oder ähnlicher stilistischerForm werden Teile des Inhalts in paralleler Gliederung asyndetisch an-einandergereiht, meist zu je dreien.
a) Der erste Spruch ist bestimmt zur Befreiung eines Gefangenen,zur Lösung aus Banden (an. leysigaldr, Grögaldr 10, vgl. MSD. II 3 , 46), ist einHaftlied.
„Einst saßen Idise, saßen hierhin und dorthin. 3 ) Einige hefteten einenHaft, einige hemmten die Heere, einige klaubten rings um die Fesseln:entspring den Haftbanden, entfahr den Feinden."
J ) MSD. 1 3 S. XV f.; J. Zacher, Z. f. d. Phil.4,462—464.
2 ) F. Wrede, Z. f. d. A. 36,135 ff.; Braune,Ahd. Gramm. §163 Anm.4.
s ) Der Inhalt der ersten Zeile ist auchenthalten in v. 8 des ags. Bienenspruchs (Grein-Wülcker S.320) Sitte se, sqewif, si$aäto eor-pan, Setzt euch, ihr Siegfrauen, laßt euchnieder zur Erde (vgl. auch die über den Hügel,über das Land reitenden Zauberweiber, Grein-Wülcker 1,317,3 f.). Der Vers ist also formel-haft aus einem Walkürenspruch auf den ags.Bienensegen übertragen. Die Vorstellung indem ags. Vers ist dieselbe wie in dem deut-Deutsche Literaturgeschichte. I.
sehen, deshalb ist doch vielleicht hera alsera (mit prothetischem h) zu fassen: säzun[hjera sie setzten sich über die Erde hin{era Akk. der Ausdehnung) [duoder ist über-haupt noch nicht sicher erklärt]. Ein vokalisch■beginnendes era würde besser in den Stab-reim passen (zu Eiris und idisi gebunden,allerdings läge der Stab nicht auf der erstenHebung des zweiten Halbverses), während beihera die logisch schwach betonten beidensäzun Träger der Stäbe sein müssen. — Ot-frid I, 5, 5 f. Floug er sunnun päd, sterronostraza, Wega wolkono zi theru itisfrono ent-hält eine ähnliche Vorstellung — den Weg
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