A. Einleitung. Allgemeine Voraussetzungen. § 25.
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ein Sprichwort, das in einem spätmittelhochdeutschen Gedicht über die ver-kehrte moderne Welt (Laßbergs Liedersaal 3, 329, 76—80) lautet: Minnetainer nit, man gicht, Das er nit apfel ezzen mug (vgl. DWb. 1,533). Nochim siebzehnten Jahrhundert scheint der Mut des Chartzipoltz sprichwörtlichgewesen zu sein. 1 )
3. Von Bischof Ulrich von Augsburg (923—973) wurde noch zuEkkehards IV. Zeiten gesungen: plura .. quae de eo conclnnantur vulgo etcanuntur (Cas. S. Galli Kap. 60). Auch diese Lieder mögen heldenhaften In-halts gewesen sein, denn Ulrich war nicht nur ein frommer Kirchenfürst,sondern auch ein tapferer Kriegsmann. Mit Begeisterung preist sein BiographGerhard (um 990), 2 ) den ritterlichen Bischof, wie er nicht mit Schild und Helmbewehrt, sondern nur mit dem Priestergewand angetan unter Stein- und Pfeil-würfen in die Ungarnschlacht reitet (955), und auch der Verfasser des deutschenGedichtes von St. Ulrichs Leben gerät bei dieser Stelle in höhern Schwung. 3 )
4. Der Stammeshaß zwischen Franken und Sachsen bot jahrhunderte-lang Stoff zu Liedern. Schon das romanische Chlotarlied des siebten Jahr-hunderts (s. oben S. 22) ist hieraus entsprungen und noch im Sachsenkriegdes Nibelungenlieds sind diese alten feindlichen Beziehungen festgehalten.Auch einige Berichte Widukinds über die Kämpfe zwischen Konrad I. unddem Sachsenherzog Heinrich, dem spätem König Heinrich I., beruhen aufLiedern (ut a mimis declamaretur, Widukind 1, 23). 4 ) Auch andere seiner Er-zählungen mag Widukind aus Liedern geschöpft haben, so zwei spielmanns-artige Schwankgeschichten von dem lothringischen Grafen Immo (II, 23. 28),der mehr durch List als durch Waffen vermochte.
5. Ferner gab es Lieder über die Wisendjagd des Erbo, eines bairischenEdeln, wie Ekkehard von Aura in seiner Chronik (um 1100) berichtet (vulgaresadhuc cantllenae resonant). 6 )
6. Über den Bischof Benno II. von Osnabrück (1067—1092), der sich,da er noch Mönch war, als Begleiter und Berater des Bischofs Azelin vonHildesheim im Ungarnfeldzug (1052) ausgezeichnet hatte, gingen ebenfallsLieder: populäres etlam nunc adhuc notae fabulae attestari solent et can-tllenae vulgares, wie Nortbert im Leben des Bischofs Benno (um 1100) erzählt. 6 )
In den Stoffen auch dieser Balladen offenbart sich das Gemüt des Volkesund seine Auffassung vom Menschen und vom Schicksal. Es sind echtegermanische Charaktertypen, diese Lieblinge der Nation: der kühne Held,der jeder Gefahr furchtlos entgegentritt, wie Kurzbolt; Adalbert, der gegen
*) Haupt, Z. f. d.A.3,188.
2 ) Vita Oudalrici, Mon. Germ. Script. IV,401 f.
3 ) St.Ulrichs Leben, hrsg. von J.A. Schmel-ler, München 1844, v. 924 ff. und EinleitungS. XIV.
4 ) Lachmann, Kl.Schr. 1,453 Anm.; Kögel,LG 1 237__239
6 ) Mon. Germ. Script. VI, 65. — Die Er-
zählung vom Grafen Babo von Abenberg undseinen dreißig bezw. zweiunddreißig Söhnen(Kögel, LG. 2, 242 f.; Liebrecht, Germania18,177 f.), die in der Zimmernschen Chroniksteht, ist eine spätere Geschlechtersage, dienoch heutzutage in der Familie der badischenFreiherrn von Babo bekannt ist.
6 ) Nortbert Vita Bennonis, Mon. Germ.Script. XII, 63.