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Teil 1 (1918) Die althochdeutsche Literatur
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A. Einleitung. Allgemeine Voraussetzungen. § 25.

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Liedern. Aber der größte Teil der historischen Werke ist entweder klassizierendgelehrt oder trocken annalistisch, und so gibt uns z. B. die nach SallustsVorbild gearbeitete Lebensbeschreibung Karls des Großen von Einhard einrein historisches Bild und hält sich geflissentlich fern von allen populärenUmbildungen.

Historische deutsche Lieder aus der althochdeutschen Zeit sind unsnur zwei erhalten: das Ludwigslied als Fürstenpreis und das gemischtsprachigeDe Heinrico als politisches Lied. Aber einen Balladenschatz können wirdoch aus der Überlieferung der Geschichtschreiber zusammenstellen.

In der deutschen Sage ist die Gestalt des großen Karl nicht für dieDauer heimisch geworden wie in der französischen und langobardischen.Der Mönch von St. Gallen stellte das Bild des Kaisers dar, wie es im Volkeam Ende des neunten Jahrhunderts lebte, wirkliche Sage hat er nur wenigüberliefert. 1 ) Die Geschichte vom eisernen Karl ist lombardischen und nichtdeutschen Ursprungs (zwei Spielmannsanekdoten, die Karl betreffen, s. obenS.21).

Aber doch hat Karl in der Erinnerung des Volkes fortgelebt. Schonvorhandene mythologische Vorstellungen wurden auf seine mächtige Persön-lichkeit übertragen. So trat er als Führer des wilden Heeres an die Stelledes alten Heidengottes Wuotan; oder wie Kaiser Friederich ist er in denBerg entrückt, aus dem er einst wiederkehren wird, um die Herrlichkeit desReiches von neuem aufzurichten. 2 ) Besonders aber im Rechtsleben ist seinName gefeiert geblieben, denn hier galt er als Begründer unverbrüchlichenGesetzes und Karies reht, Karies 16t (Gewicht) sind sprichwörtliche Aus-drücke geworden. 3 ) Und so hat Karl, wie verblaßt auch die Erinnerung anseine Taten war, im Volksgemüt doch als ein Gewaltiger fortgelebt.

In der mittelhochdeutschen Literatur ist die Karlssage stark vertreten,aber die Stoffe dieser mittelhochdeutschen Epen sind erst wieder aus demFranzösischen entlehnt oder auf gelehrtem Wege zugeführt worden 4 ) (s. Bd. IIdieser Literaturgeschichte).

Mehr ist von der Sagenbildung des elften Jahrhunderts auf unsgekommen. Die poetische Umgestaltung der Versöhnung Ottos I. mit seinemBruder Heinrich von Baiern läßt sich an den Quellen der Zeit verfolgen(s. untenDe Heinrico"). Die Erinnerung an die Empörung Liudolfs gegenseinen kaiserlichen Vater Otto I. 5 ) ist später aufgegangen in das ähnliche

) Brüder Grimm, D. Sagen Nr. 447; Uh-LANDS Schriften 2,9199.7,559564; anderess. bei Kögel, LG. 2,230. Sagen beim St. GallerMönch über Karls Vater Pippin s. bei Vor-etzsch, Einführung 2 S. 84f.

2 ) J. Grimm, Mythol. S. 782 f. Nachtr.S. 283; 796803 u. Nachtr. S. 2861; fernerNachtr. S.59.354; E.H. Meyer, Germ. Mythol.S. 235244 u. Register S. 328; Uhlands Schrif-ten 2, 95 f. 7,561 f.

3 ) Uhlands Schriften 2,96 ff.; Wacker-nagel l 2 ,224.464.

4 ) Siehe Band II dieser Literaturgeschichte.Karl in der Legende: Wackernagel, LG. I 2 ,182.188.

5 ) Uhlands Schriften 5, 323 ff. 7,564 ff.;Dümmler, Z. f. d. A. 14, 265271. 559 f.;Bartsch, Herzog Ernst, Wien 1869, S.LXXXVbis CVII; Kelle, LG. 1,199. 379, ferner Re-gister S. 431.