A. Einleitung. Allgemeine Voraussetzungen. § 25.
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kein Lächeln entlocken, wenn sie bei Festen das Publikum erfreuten. 1 ) Diefromme Königin Mathilde, Heinrichs I. Witwe, wollte keine Sänger weltlicherLieder hören 2 ) und der streng kirchliche Heinrich III. ließ von seinem Hoch-zeitsfest zu Ingelheim (1043) eine große Menge von Tänzern und Spiel-leuten ohne Speise und Lohn leer und betrübt abziehen. 3 ) Einen Unterschiedzwischen den kunstgeübten Musikern und den unzüchtigen Mimen machteder Erzbischof Adalbert von Bremen, 4 ) denn von jenen hielt er, daß sie gutseien, um die Sorgen zu erleichtern, diese aber, die nur den Pöbel ergötzten,trieb er von seinem Hofe. Aber bei Konrads I. fröhlichem Gelage im KlosterSt. Gallen (913) durften auch die Tänzer und Spielleute nicht feiern und esscheint ein lateinisches Gedicht darüber existiert zu haben, 5 ) und Heinrich V.verschwendete, auch hierin ungleich seinem Großvater Heinrich III., beiseinem Hochzeitsfeste (1114) Unsummen an das fahrende Volk. 6 )
Auch an den Höfen prunkvoller Kirchenfürsten erschallten Gesang undMusik zur Erhöhung der Feststimmung. Ein lebensvolles Bild von demGelage eines welteitlen Bischofs entwirft der Mönch von St. Gallen. 7 )
Natürlich kehrten die Spielleute überall auf Burgen und Schlössern ein,wo üppig gelebt wurde. So erzählt Sextus Amarcius (2. Hälfte des 11. Jahr-hunderts) 8 ) von einem Joculator, der einen üppigen Herrn durch Vortrag derSchwankgeschichte vom Schneekind ergötzte. Als Würze der Mahlzeit wurdenan Tafeln hoher Herrn die Übeln Streiche des Bauern Unibos (s. unten, lat.Dichtg.) gesungen.
Im Vortrag wirkten Poesie und Musik zusammen, denn der Text wurdegesungen und mit Saitenspiel (Harfe, Fiedel) begleitet, aber auch, wenn esder Stoff erlaubte, dramatisiert, d. h. vom Mimen selbst mit auffallender Ge-bärdensprache, meist wohl in possenhafter'Weise, in bewegter Handlung dar-gebracht.
§ 25. Dichtung und Sage.
Der einzige Überrest der alten nationalen Epik im Althochdeutschenist das Hildebrandslied, aber es muß eine reiche erzählende Literatur auch inalthochdeutscher Zeit gegeben haben. Den Inhalt lieferten die alten Helden-sagen, die von der Völkerwanderung an weiter lebten.
Zeugnisse sind nur wenige vorhanden. Karl der Große ließ alte volks-tümliche Lieder, in welchen die Taten und Kriege früherer Könige besungenwurden, aufzeichnen und der Nachwelt überliefern; 9 ) das waren jedenfalls
J ) Theganus, Vita Hludowici ImperatorisKap. 19, Mon. Germ. Script. II, 595.
2 ) Vita Mahthildis reginae, Mon. Germ.Script. IV, 294.
3 ) Annales Hildesheimenses zum J. 1043,Mon. Germ. Script. III, 104; Hermannus Con-tractus, Chronik von Reichenau, ebda V, 124.
4 ) Adami Gesta Pontificum Hammenbur-gensium III, 38, Mon. Germ. Script. VII, 350.
5 ) Ekkehard schildert in seinen CasusS. Galli Kap. 16 das „bachanale" in rhythmi-
schen Satzschlüssen.
°) Ekkehard v. Aura Chronicon Wirzibur-gense, Mon. Germ. Script. VIII, 248.
7 ) Monach. Sangall. I Kap. 18, Mon. Germ.Script. II, 739; Ähnliches in einem Brief Ago-bards von Lyon, Mon. Germ. Epist. V, Karol.aevi III, 179.
3 ) Scherer, Deutsche Studien 1,53; MSD.UM 15.
9 ) Item barbara et antiquissima carmina,quibus veterum regum actus et bella caneban-