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Teil 1 (1918) Die althochdeutsche Literatur
Entstehung
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82 II- Die Literatur von der Mitte des achten bis zur Mitte des elften Jahrhunderts.

de officiis ecclesiasticis. Natürlich war Kenntnis der heiligen Schrift Haupt-bedingung. Die Stellen aus den Evangelien und Briefen, die für die Sonn-und Feiertage vorgeschrieben waren, enthielt das Lectionarium. Notwendigzur Liturgie waren noch ein Sacramentarium für die Meßfeier und ein Anti-phonarium für die Meßgesänge.

Durch seine Volkserziehung wurde Karl der Große der Begründerder geistlichen deutschen Literatur. Vaterunser, Glaubensbekenntnis,Beichtformeln bilden die Anfänge der deutschen Prosa. Aber auchder von ihm neu erweckte wissenschaftliche Geist wirkte auf die deutscheLiteratur. Jetzt entstanden die ersten gelehrten Denkmäler in deutscherSprache, ein wissenschaftlicher Übersetzungsstil wurde ausgebildet. Karlschuf ein neues geistiges Leben nicht nur im Sinne der lateinischen Uni-versalmonarchie, sondern auch für das deutsche Volkstum. Unmittelbar griffhier seine angestammte Art ein. Trotz seiner Idee vom römischen Kaisertumwußte er das nationale Wesen zu würdigen und versuchte er es zu fördern.Er ließ alte deutsche Lieder sammeln*) und wandte den fränkischen Rechts-büchern seine Aufmerksamkeit zu; er machte den Anfang zu einer deutschenGrammatik, er gab den Winden und Monaten deutsche Namen. 2 ) Das warenzugleich Anfänge zu einer deutschen Wissenschaft, klein zwar und unentwickelt,aber doch wohl mehr als Spielerei. Die Monate bilden einen Teil der Zeit-rechnung des Computus, dieser aber gehörte wiederum zum Schulunterricht. 3 )

Die Klöster 4 ) waren die Bildungsstätten der Nation, die Pflege derWissenschaft lag in den Händen der Mönche, ihnen verdanken wir auch dieAufzeichnung der wenigen erhaltenen volkstümlichen Literaturdenkmäler.

In Alemannien überragte alle andern an gelehrter Tätigkeit das KlosterSt. Galle n. 5 )Mitihm in Wettbewerb tratzeitweise das benachbarteReichen au. 6 )Von hier aus wurde durch den heiligen Pirmin Murbach 7 ) im Oberelsaßbegründet (a. 727). Im fränkischen Unterelsaß hatte das Kloster Weißenburgden Ruhm, Otfrid, den Verfasser des ersten christlichen Epos in hochdeutscherSprache, zu den Seinen zu zählen. Wie St. Gallen im alemannischen Gebiet,so war im fränkischen Fulda 8 ) eine Zeitlang das geistige Zentrum. In Ost-

0 W.Grimm, D. Heldensage 3 S.29f. (Nr. 11);Müllenhoff, Z. f. d. A. 6,435; Braune, Beitr.21,57.

2 ) Einhard, Vita Karoli Imperatoris Kap.29; J. Grimm, Gesch. d. d. Sprache, Kap. 6 Festeund Monate, 3. Aufl. S. 5180; Hattemer,Namen der Monate und Winde, Denkmahledes Mittelalters 1,331336; Autenrieth, Alt-deutsche Monatsnamen, Neue Jahrbücher f.Philologie u. Pädagogik 96 (1867), 357364;K. Weinhold, Die deutschen Monatsnamen,Halle 1869; Bilfinger, Untersuchungen überdie Zeitrechnung der Germanen, Stuttgart 1899.1901 (Progr.); derselbe, Z. f. d. Wortforschung5, 263 ff. Der Monatsname Hornung: H. Hirt,Beitr. 22, 232 f.; Th. Siebs, Mitteilungen d.schlesischen Gesellsch. f. Volkskunde Heft 11

(1904); A. Walde, Z. f. d. A. 48, Anz. 30,145 f.235 f.; Helm, Religionsgesch. S. 105. H.Wehrle, Die deutschen Namen der Himmels-richtungen und Winde, Z. f. d. Wortforschung7,61135. 221240. 9, 163170; Braune,Ahd. Lesebuch '(1911) Nr. I, 7 u. S. 171 f.

3 ) Specht, Unterrichtswesen S. 21.

1 )Hauck2 2 ,604 667.

5 ) Wattenbach l 7 ,266275.

6 ) Wattenbach l 7 ,275287.

7 ) Herm. Bloch, Geistesleben im Elsaßzur Karolingerzeit, Separatabdruck aus derillustrierten elsässischen Rundschau Bd. IIIHeft 4 (1901), 2431; Ad. Holtzmann, Ger-mania 1,472 f.

8 ) Wattenbach l 7 ,251 ff.