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Teil 1 (1918) Die althochdeutsche Literatur
Entstehung
Seite
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A. Einleitung. Allgemeine Voraussetzungen. § 22. 81

Karl in Parma und bestellte ihn zum Leiter des Unterrichtswesens. Zuerstan der Hofschule in der nächsten Umgebung des Kaisers (bis 790), wirkte ervon 796 bis zu seinem Tode (804) in Tours, wo er die Musterbildungs-anstalt für das Reich einrichtete. Er hat die Wissenschaft im Frankenreich,somit für das Mittelalter, begründet und in seinen Werken maßgebendeHilfsmittel dafür geschaffen. Für den Elementarunterricht in der Schuleschrieb er die Lehrbücher der Grammatik, Rhetorik und Dialektik, für diehöheren, die theologischen Studien seine Abhandlung über die Trinität (DeTrinitate), das erste dogmatische System des Mittelalters, freilich ganz inAbhängigkeit von Augustin.

Karl der Große förderte nicht nur Kunst und Wissenschaft, er arbeitetefür das gesamte Leben des Volkes. Er war ein Erzieher. Er organisiertedas ganze Bildungswesen seines Reichs durch Regelung des Unterrichts fürdie Geistlichen ^und für die Laien. In seinen Reichsgesetzen (Capitularien)gab er die entsprechenden Verfügungen, besonders in dem Unterrichts-gesetz vom Jahre 789. Das Volk sollte die Grundlehren des christlichenGlaubens innehaben und die Geistlichen sollten die notwendigen Kennt-nisse besitzen, diesen Glauben erfolgreich zu lehren. Auf dem elementarenReligionsunterricht befestigte sich das junge Christentum, von hier aus drangder neue Geist in die Tiefe des Volkes.In jedem Kloster und Domstiftesollen Schulen sein, in welchen die Knaben die Psalmen, die Schriftzeichen,den Gesang, das Berechnen der kirchlichen Festtage und die Grammatikerlernen" (Admonitio generalis a. 789, Boretius, Mon. Germ. Leg. I S. 60).

Damit ist der Elementarunterricht 1 ) festgesetzt. Er besteht haupt-sächlich im Schreiben und im Lateinischen. Die lateinische Sprache wurdenach den spätrömischen Grammatiken des Donatus und Priscianus gelernt.Großen Wert legte Karl auf den Gesangsunterricht. Von alters her warendie Stimmen der Germanen den Römern ein Gegenstand des Grausens oderdes Spottes. Zur Hebung des Kirchengesangs ließ er im Jahre 790 durchVermittlung des Papstes Hadrian zwei italienische Musikgelehrte, Petrus undRomanus, kommen, die dann in Metz und St. Gallen erfolgreich wirkten(s. unten, lat. Dichtg.). Das christliche Gesangbuch war der Psalter, daherdie Kenntnis der Psalmen für die Schule ganz besonders geboten wurde.

Aber zur Erziehung des Volkes sowohl als der geistlichen Jugend be-durfte es auch geeigneter Lehrer. Daher wurde den Geistlichen ein be-stimmtes Wissensgebiet vorgeschrieben. Zur Katechetik dienten besondersdie Poenitentiarien, Sammlungen von Vorschriften über Beichte und Buße;für die Predigt die Homilien und Sermone Augustins, Gregors des Großen,Cassians, des Caesarius von Arles, Bedas. Für die Seelsorge war das grund-legende Buch Gregors des Großen Cura pastoralis, dazu kam Isidors Liber

') F. A. Specht, Geschichte des Unter-richtswesens in Deutschland, Stuttgart 1885,S. 21; F. Tetzner, Geschichte der deutschen

Bildung und Jugenderziehung von der Urzeitbis zur Errichtung von Stadtschulen, Gütersloh1897.

Deutsche Literaturgeschichte. I. 6