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Teil 1 (1918) Die althochdeutsche Literatur
Entstehung
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79
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A. Einleitung. Allgemeine Voraussetzungen. § 22. 79

genommen. Sie ging von dem den Deutschen stammverwandten Volke derAngelsachsen aus. Winfrid aus Wessex unternahm das Bekehrungswerknicht wie die irischen Mönche auf eigene Hand und ohne kirchliche Be-stätigung, sondern er erhielt den Auftrag vom Papst, von Gregor II (719),wurde von diesem zum Bischof geweiht mit dem Namen Bonifatius 1 )(722) und unterstellte die neubekehrten Länder dem römischen Stuhl. Sobereitete er die päpstliche Herrschaft in Deutschland vor. Römische Kirchen-ordnung und die Klosterregel des heiligen Benedikt wurden eingeführt. Erorganisierte die Kirche in Bayern und in Mitteldeutschland östlich des Rheinsdurch Befestigung alter und Gründung neuer Bistümer (Salzburg, Regens-burg, Freising, Passau; Würzburg, Erfurt); Mainz wurde zur Metropoleerhoben und er selbst, Bonifatius, ihr Erzbischof (732), für die geistigeBildung des Klerus und des Volkes aber am bedeutungsvollsten wurde seineGründung des Klosters Fulda (744). Auf einem Missionszug unter denFriesen krönte er sein Lebenswerk durch den Märtyrertod (754).

Die Sachsenbekehrung, die letzte der deutschen Stämme, war einWerk der Politik Karls des Großen. Mit Gewalt wurden sie getauft nachden verlorenen Schlachten. Kirchliche Verwaltungsgebiete entstanden inden Gründungen der Bistümer Münster, Paderborn, Verden, Bremen, später,unter Ludwig dem Frommen, Osnabrück, Hildesheim, Halberstadt. Unterden Klöstern stand hier an erster Stelle Corvey an der Weser, 822 mitMönchen des nordfranzösischen Klosters Corbie besiedelt.

Die Herrscher der aus der Völkerwanderung hervorgestiegenen Ger-manenreiche mußten sich mit der antiken Kultur auseinandersetzen, eineExistenzfähigkeit hatten ihre Staaten nur, wenn sie sich dieser anpaßten.Für Karl den Großen aber, der eine Universalmonarchie schuf, war dasVerhältnis zum römischen Weltreich überhaupt der leitende Staatsgedanke.Seine Frankenherrschaft sollte eine Weltmacht sein, sie war gedacht als dieunmittelbare Fortsetzung des römischen Kaisertums. So wie das Papsttummit dem Wirken des Apostelfürsten Petrus seine Geschichte in Rom be-gründete zur Zeit der Machtfülle des römischen Reiches, dem entsprechendsollte das neue Frankenreich seine Wurzeln ebenfalls in dem ImperiumRomanum haben, es sollte dessen historische Fortsetzung sein. Aber diesergroße Plan mußte sich an der Wirklichkeit stoßen. Eine zweite Macht warja schon neben dem. sinkenden Cäsarentum entstanden, die die Ideen derZukunft, des neuen Lebens in sich trug, das Papsttum. Der römische Papstwar der durch die Geschichte gegebene Nachfolger der Imperatoren, nichtder fränkische Barbarenkönig.

Damit aber waren die Geschicke des Mittelalters bestimmt. Sie hingenab von dem Verhältnis zwischen Papst und Kaiser, zwischen Kirche undStaat. Der Dualismus beherrscht wie das religiöse, so das politische Leben.

*) A. Werner, Bonifacius, der Apostel der Deutschen, Leipzig 1875; Hauck 1 3 - 4 ,448594;Manitius 1,142152.