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Teil 1 (1918) Die althochdeutsche Literatur
Entstehung
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78 II. Die Literatur von der Mitte des achten bis zur Mitte des elften Jahrhunderts.

in mittelhochdeutscher Zeit in die Literatur ein). Das Niederdeutsche bestehtaus zwei Sprachgebieten, dem eigentlich Niederdeutschen oder Altsächsischen(dem heutigen Plattdeutschen), und dem Niederfränkischen, das ist das heutigeHolländische und Flämische.

Die ahd. Literatur ist fast in ihrem ganzen Umfang von Geistlichenverfaßt, und im Wesentlichen religiösen Inhalts. Die einzigen nationalenÜberreste sind das Hildebrandslied und die Zaubersprüche. Von der Exi-stenz einer volkstümlichen Dichtung in dieser Zeit wissen wir sonst nur ausden kirchlichen Verboten, wir kennen sie nur aus den oben genannten Zeug-nissen; ihre Wandlung, ihren Kampf mit der geistlichen Literatur könnenwir historisch nicht verfolgen.

Die Grundbedingungen also für die uns erhaltene althochdeutscheLiteratur liegen in der Religion, in den kirchlichen Verhältnissen. Alsdurch Bonifatius, den Apostel der Deutschen, die Christianisierung kräftigeinsetzte und die Kirche in Deutschland erst organisiert wurde, als auchin den Klöstern sich ein wissenschaftliches Leben zu regen begann, daentstanden die ersten Denkmäler einer geschriebenen deutschen Literatur:um die Mitte des achten Jahrhunderts wurde mit den Glossensammlungendie elementare Grundlage gegeben für die Pflege einer deutschen, gelehrt-geistlichen Wissenschaft.

Die Anfänge des Christentums in Deutschland sind dürftig, siewaren nicht planmäßig eingerichtet. Irische Mönche waren die erstenGlaubensboten. Auf ihrer abgelegenen Insel hatte sich die christliche Lehreseit dem sechsten Jahrhundert ungestört entfaltet, in ihren Klöstern 1 ) fanddie Wissenschaft eine sichere Zuflucht, und frommer Glaubensmut trieb dieGottbeseelten, den in der Finsternis Irrenden das Heil zu verkünden. Siegründeten die ersten Stätten der neuen Lehre in Deutschland. Columbanund sein Schüler Gallus zogen an den Bodensee, Gallus erbaute in demwilden Tal der Steinach seine Zelle (613) und die unscheinbare Holzkirche,aus der später das ruhmreiche Kloster St. Gallen erwuchs. Schon hundertJahre vorher, um 510, hatte Fridolin das Kloster Säckingen gegründet, derApostel des benachbarten Breisgaus war Trudpert, ein Jahrhundert nachdem heil. Gallus stiftete Pirmin das Kloster Reichenau im Bodensee (724).In Ostfranken erhielt das Christentum den ersten Stützpunkt durch Kilianin Würzburg. In Bayern wirkten westfränkische Männer: von St. Emmeramaus Poitiers stammt das gleichnamige Kloster in Regensburg (um 750),Rudpert predigte in Salzburg (um 696), Corbinian in Freising (um 717).So wurden Alemannien und Bayern im Laufe des siebenten und achtenJahrhunderts für das Christentum gewonnen.

Energischer und mit bestimmten kirchenpolitischen Zielen wurde dieBekehrung der mittleren Stämme, der Hessen und Thüringer, in Angriff

J ) Albert Hauck, Kirchengeschichte ! S.240319.320389; 2. Teil, 3.4. Aufl., Leip-Deutschlands, 1. Teil, 3.4. Aufl., Leipzig 1904, | zig 1912, bes. S. 350483. 577622.