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Teil 1 (1918) Die althochdeutsche Literatur
Entstehung
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75
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B. Die Dichtung der vorliterarischen Zeit. § 21. 75

Der strengere Rhythmus scheint der ursprüngliche gewesen 1 ) zu sein,denn er ist einfacher und entspricht dem angeborenen rhythmischen Gefühl.

Der germanische Vers hat vier Hebungen. Der orchestische, regel-mäßige Vers von vier Hebungen war also wohl der germanische Urvers.Er ist erhalten in den Merseburger Zaubersprüchen, z. B. Eins säzun idisi,und im heutigen Kinderlied, z. B. Z'Bäde stöht es Sümmerhüs. Der epischeVers ist erst aus einer freieren Behandlung dieses Urverses entstanden. Dochkommen auch in den epischen Dichtungen viele alternierende, d. h. mit regel-mäßiger Abwechslung von Hebung und Senkung gebildete Verse vor. Beispielfür strengeren Rhythmus des epischen Verses: Hildebrandsl. 20 her furläetin länte lüttila sitten, für freieren Rhythmus: Heliand 5974 uuihida sie midis uuördun, gümet imo üp thanan.

Das Kunstprinzip der germanischen Metrik beruht auf der Alliteration,dem Stabreim. Alliteration oder Stabreim ist gleicher Anlaut (Anfangs-laut) benachbarter Wörter. In der Stabreimdichtung müssen diese Wörterdie stärkstbetonten des Verses sein. Die alliterierenden Anlaute nennt manStäbe. Der Vers der Stabreimdichtung ist ein Langvers (Langzeile), der auszwei Halbversen (Halbzeilen) besteht. Der Halbvers entspricht dem ger-manischen Urvers, der Langvers also zwei germanischen Urversen. DieLangzeile hat normalerweise drei Stäbe und zwar zwei in der ersten Halb-zeile und einen, den Hauptstab, in der zweiten Halbzeile (zuweilen steht inder ersten Halbzeile nur ein Stab). Die Stäbe in der Langzeile sind also aufdie beiden Halbzeilen verteilt in dem Verhältnis von 2:1 (zuweilen von 1:1).

Für die stabreimenden Laute gilt die Regel, daß jeweils die erstenKonsonenten des Wortes gleichlauten, außer den Konsonantverbindungenst sp sk, die nur wieder mit st sp sk alliterieren, und daß die Vokale unter-einander gebunden werden. Beispiele: her furläet in länte \ lüttila sittenHildebrandsl. 20; scdrpen sciirim, \ dat in dem sciltim stönt 64; der si dohnu drgösto \ östarliuto 58.

Jeder epische Halbvers hat zwei stärker betonte Glieder: die (Haupt-)Hebungen und mindestens zwei schwächer betonte, Senkungen. DieZahl der Senkungen kann von einer bis zu fünfen gehen (solches Schwankenfindet besonders im Heliand statt).

Je nach der Stellung der Hebungen ergeben sich fünf Betonungsartenoder Versformen, die fünf Typen:

A! x: | j- x, B x j. : | x. -i, C x -f' [.£ x, D -± | : -^ x x (-i | -i x x),E .-£ x x | -i (! x x | -2-).

l ) Sievers, Altgermanische Metrik S. 172 ff.;Heusler, Über germanischen Versbau, Ber-lin 1894, S. 122 ff.; Luick, Pauls Grundr. 2 2 ,1,149 ff.; Saran, Deutsche Verslehre, RegisterS.354 (Urmetrum, Urrhythmus). R. Hilde-brand, Ein Kinderlied mit tief em Hintergrunde.Metrisches aus dem Kinderliede, GesammelteAufsätze und Vorträge, Leipzig 1890, S. 174205 und Beiträge zum deutschen Unterricht,

Leipzig 1897, S. 3359; E. Stolte, MetrischeStudien über das deutsche Volkslied, Progr.,Cref eld 1883; K.E. Reinle, Zur Metrik d. schwei-zer. Volks- und Kinderreime, Diss. Basel 1894;Oskar Brenner, Zum Versbau der Schnader-hüpf el, Festschr. z.50jähr.Doktorjubelf eier KarlWeinholds, Straßb. 1896, S.l-12; F. M. Böhme,Deutsch. Kinderlied u. Kinderspiel, Leipz. 1897;E. K. Blümml, Das Kärntner Schnaderhüpfel,