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Teil 1 (1918) Die althochdeutsche Literatur
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74
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74 ! Die vorliterarische Zeit.

§ 21. Metrik.

Ed. Sievers, Altgermanische Metrik (s. oben § 20), Pauls Grundr. 2 2 ,1,138; Herm.Paul, Deutsche Metrik, ebda S. 39140; Karl Luick, Englische Metrik, ebda S. 141 240(bes. S. 149ff.); s. auch 2 2 , 1, 997 (die drei genannten Arbeiten geben auch die entsprechendeLiteratur); Ed. Sievers, Altgermanische Metrik, Halle 1893; Friedr. Kauffmann, DeutscheMetrik, 3. Aufl., Marburg 1912; Franz Saran, Deutsche Verslehre, s. oben §20; derselbe, DerRhythmus des französischen Verses, Halle 1904; derselbe, Rhythmik, in: Die Jenaer Lieder-handschrift, hrsg. von Holz-Saran-Bernoulli, Bd. II, 91151; derselbe, Metrik, Ergebnisse undFortschritte der germanist.Wissenschaft im letzten Vierteljahrhundert, Leipz. 1902, S. 158187;Wackernagel, LG. I 2 , 5760; Kögel, LG. 2, Register S. 642 f. und besonders 1,242254.288m316. 327332; Ergänzungsheft zu Bd. 1, 2870; Bd. 2,2227. 3478. 140152.

Das rhythmische Gefühl, d. h. das Gefühl regelmäßig sich wieder-holender Bewegung, liegt in der organischen Beschaffenheit des mensch-lichen Körpers. Gewisse Bewegungsfunktionen desselben vollziehen sichphysisch in regelmäßiger Abwechslung wie die Schläge des Herzens, dasAus- und Einatmen, das Vorwärtsschreiten der Beine beim Gehen u. a.

In der Sprache geht die Bewegung an den Wörtern vor sich und wirdmarkiert durch den Wechsel von stärkerer und schwächerer Betonung (Ton-stärke, Akzentuierung) der Silben (Hebung und Senkung) und zugleichdurch den Wechsel zwischen musikalisch höherer oder tieferer Stimmlage derSilben (Tonhöhe, Melodie). In der gewöhnlichen Rede ist dieser Wechsel un-gleichmäßig, völlig unbestimmt, denn die Worte werden nach dem momentanenEinfall des Redenden gesetzt und unter der Augenblicksstimmung betont. Inder poetischen Sprache dagegen herrscht eine gewisse Regelmäßigkeit in demWechsel stärker und schwächer akzentuierter, höher und tiefer liegender Silben.Diese Regelmäßigkeit im Betonungswechsel ist, was wir Rhythmus nennen.

Die Hebung und die darauffolgende Senkung bezw. die darauffolgendenSenkungen bilden den Takt oder Fuß, Versfuß. Je nachdem in denFüßen eines Verses die Senkungen gleich oder ungleich sind, ergibt sichein strengerer oder ein freierer Rhythmus.

Der strengere Rhythmus, in welchem Hebungen und Senkungenin möglichster Regelmäßigkeit wechseln (alternierender Rhythmus), dieTakte also möglichst gleich sind, muß statthaben, wo die gesungenenoder gesprochenen Worte Begleitung zu körperlichen rhythmischen Be-wegungen sind, wo also der Sprachrhythmus abhängt vom körperlichenRhythmus. Das ist der Fall beim Tanzlied, wonach er orchestischer Rhyth-mus genannt wird, beim Marschlied, beim Arbeitslied, und dann wohl überhauptbeim Chorlied und in der durch musikalischen Rhythmus bestimmten Lyrik.

Wenn der Rhythmus nicht an mechanisch fungierende, regelmäßigeKörperbewegungen gebunden ist, so wird er sich freier entfalten können.Der freiere Rhythmus, wo den Takten größere Mannigfaltigkeit gewährtist, findet sich daher in Poesiegattungen, die von körperlichen Bewegungenlosgelöst sind, wo der dichterische Text nicht bloß Begleitung, sondernSelbstzweck ist, also in der erzählenden Poesie. Insofern kann man ihnden epischen Rhythmus nennen.