68 I- Die vorliterarische Zeit.
sächsischen epischen Stil übertragen. Er wird ein non ignobllis vates ge-nannt (vgl. marrer scopf Gl. 1, 427, 27, s. oben S. 63), und zwar galt er beiseinem Volke (apud suos) für einen berühmten Sänger (s. unten Heliand).
Also nahm der Scop eine ehrenvolle Stellung ein. Er war der gefeierteVerkündiger der Großtaten der Helden und der sagenhaften Geschichte derVölker, und dazu der Besitzer höherer Wahrheiten von der Götter- und Weltlehre.Auch im Gesetz kam diese Wertschätzung zum Ausdruck, indem einem Harfen-schläger, dem die Hand verletzt wurde, eine höhere Buße erstattet werden mußte. *)
Aber neben diesen vornehmen Sängern der Fürsten gab es auch gewißminder ansehnliche, die in den Gauen auf dem Lande herumzogen, auchdorthin den Heldensang tragend und Gesellschaftslieder, winileod, dichtend.
Im Angelsächsischen ist die Bezeichnung jleoman Spielmann und Harfner(von jleo Unterhaltungsfreude, Spiel, Musik) auch für den Scop gebraucht,eben mit spezieller Hinsicht auf die Musikbegleitung. Hrodgars Hofdichterwird, nachdem das Lied beendigt ist, jleoman genannt {leoä wces äsunsen,5le0mann.es 5yd Beow. 1159 f.; s. auch Widsi'S 136). Später aber, da die Volks-dichtung durch die religiöse, der Volkssänger durch den geistlichen Dichterverdrängt wurde, da wurde aus dem angesehenen Scop der wandernde Spiel-mann, der gleoman wird dann, wie der ahd. splllman, leicht wie ein Gauklerangesehen. Aber dies fahrende Volk ist nicht mehr rein germanischen Ur-sprungs, es sind nicht allein die zu den Bauern heruntergedrängten altenheimischen Heldensänger, sondern ein fremdes Element hat sich ihnen an-gehängt. Aus dem sinkenden Römertum kam eine schlechte Gesellschaftherein, der mimus, joculator, scurro, histrio, thymelicus, verschie-dene Arten von Kunstgenossen, Sänger und Musiker, Schauspieler undTänzer, Possenreißer und Gaukler männlichen und weiblichen Geschlechts,die schon von den Barbarenfürsten nur allzu bereitwillig aufgenommenwurden. Bei dem von Priscus geschilderten Hoffest Attilas (s. oben S. 20)traten zwei Rhapsoden auf, die Preis- und Heldenlieder vortrugen; dann aberkam ein Narr, der durch seine unsinnigen Reden die Gesellschaft belustigte,und dann ein Zwerg, dessen Häßlichkeit und kauderwelsche Sprache un-bändiges Gelächter hervorrief; hier also war die hohe Kunst mit der niederenSpaßmacherei vereinigt. Ein römisch geschulter Sänger, also jedenfalls einangesehener Künstler und würdiger Hofdichter, war jener Citharoedus, denChlodowech von Theodorich erbat. An dem strengen Hofe des Westgoten-königs Theodorich wurde die niederere Sorte der Fahrenden nicht zugelassen(s. oben S. 20). Ein echtes Spielmannsstück erzählt Gregor von Tours in denLegenden seines Buches De virtutibus S. Martini zum Jahr 589 (Heyne,Spielmannsgedichte S. VIII. XI ff. XXII ff.).
Mannigfaltig wie die Kunst sind die Benennungen dieser fahrendenLeute. In den ags. Glossen, Wright-Wülcker Voc, sind verzeichnet: mimus,
') Vogt, Spielleute S. 5 u. Anm. S. 29.