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Teil 1 (1918) Die althochdeutsche Literatur
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61
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B. Die Dichtung der vorliterarischen Zeit. 9. Spell. § 17.- 61

leope Boeth. 12 (Bosworth-Toller S. 900 b. 901a). Das Verbum zu spell istags. meist sec^an, spell sec3an, seltener reccan, wrecan (diese beiden Be-zeichnungen bedeuten im allgemeinen'vortragen', 'vorbringen'), (jejsprecan;as. spei seggean, seltener rekkian, sprecan; ahd. spei sagen; mhd. spei sagen,selten zellen. Doch findet sich auch Vermischung der Vortragsarten, alsovon Lied und Prosa, von singen und sagen: sin^an [and] sec^an spellWidsfa 54, be son^e sec^an 100 (hier bedeutet sinsan den besonderenVortrag, secjan das 'Erzählen' des Inhalts). In der Einleitung zu AlfredsÜbersetzung der Metra des Boethius ist ein Doppeltes ausgedrückt: dcet heäiossum leodum leoä spellode 1,4 (Grein-Wülker, Bibl. 3, 2 S. 1 v. 1 ff.),gleich darauf ic sceal giet sprecan . . . hceledum secjan 810; mit leoäist die stabreimende und melodisch vorgetragene Form gemeint, mit spellian,sprecan, sec^an der lehrhafte Inhalt der Gedichte. Ebenso wenn von Homergesagt wird leodum and spellum reahte Nr. 30, 8 ff.; ähnlich in den Ein-leitungen der Nummern 2,1 ff. 6, 2. 7,24. 8,3. 13,1.14,12 f. (Schluß). 25,1.26,1 f.

Demnach ist Spell zunächst Erzählung, Bericht in ungebundenerRede; es kann aber auch auf gebundene Rede, im Stab- oder Endreim,angewendet werden, sofern nur der Inhalt und nicht die poetische Formin Betracht kommt. Spell ist dann soviel wie der Inhalt oder der Roh-stoff. Spell in dieser Hinsicht, bloß als Erzählung ohne Rücksicht auf dieForm, kommt dem mhd. moere nahe (Mhd. Wb. 2,1,71a78b); auch dem ahd.mhd. saga sage f., ags. saja, an. saga; und dem Fremdwort äventlure f.,Ereignis, das in prosaischer oder poetischer Form erzählt werden kann(Mhd. Wb. 1, 67b72 a; Benecke, Z. f. d. A. 1, 4956; J. Grimm, Kl. Sehr.1, 83111).Wenn das Hildebrandslied von der Formel Ik glhörta datseggen eingeleitet wird, so ist damit berichtet, daß der Dichter die Ge-schichte von Hildebrands und Hadubrands Kampf vernommen hat. Ob ingebundener oder ungebundener Rede, ist dabei offen gelassen: er selbsthat sie aber dann erst in die'vorliegende Liedform gegossen. Der Dichterdes Muspilli hat den Vernichtungskampf des Elias mit dem Antichrist er-zählen hören (Daz hörtlh rahhön 37; rahhön narrare, exponere, explicare,exprimere; historia tatrahha, katatrahha Graff 2, 374, storia kirekhithaGl. 1,253, 29; ags. historia jerecednyss Bosworth-Toller S. 430a). Widsiäerfuhr auf seinen Wanderungen von der Macht und den Taten der Helden,deren Liste er aufstellt (die Formel ic 3efrcejn 10. 17), und der Verfasser desWessobrunners Gebets beruft sich mit derselben Formel (Dat gafregin ih)auf die Überlieferung, aus der er schöpft: überall ist der Stoff gemeint, dererst durch den Dichter zu dem betreffenden stabgereimten Liede geformt wird.

Im Angelsächsischen begegnet noch ein besonderer technischer Aus-druck 3id n., cantus, Carmen, poema, sermo, dictum, das übliche Verbumdazu ist vrecan, äwrecan, das nur im allgemeinen das Vorbringen, Vortragenandeutet, ohne nähere Bestimmung der Vortragsweise, jid steht in Parallelis-