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Teil 1 (1918) Die althochdeutsche Literatur
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60
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60 I- Die vorliterarische Zeit.

fränkischen Düsseldorfer Prudentiusglossen enthalten die Übersetzung tra-goedi([ spellunga, Gl. 2, 583, 35, aber der Begriff von tragoedia schwanktim Mittelalter, es ist auch so viel wie fabula. 1 ) Demnach hat der Ver-fasser dieser Glosse die Tragödie nicht als ein in poetischen Worten ab-gefaßtes Trauerspiel im Sinne gehabt, sondern nur als einen erfundenenund eben darum auch unnützen Erzählungsstoff. Der Begriff der Tragödiesinkt ganz in den späteren mhd. Glossen: Diefenbach, Gloss. s. Trageda,Tragedia, Tragelida, Tragerdia, Trageria 591c, Nov. Gloss. 369b.

Das Verburn *spellön fehlt im Altsächsischen und Althochdeutschen(hier nur gotspellön, s. oben S. 58), es ist jedoch im mhd. spellen belegt undzwar in der Bedeutung von erzählen, und auch in gesunkenem Sinn 'Törichtesschwatzen'. Ersetzt ist es im Ahd. durch sagen, recchen, rachön und späterdurch Zeilen zeln; im As. durch seggian, rekkian, tellian.

Insofern der Stoff der Parabel und des Gleichnisses erzählend ist,kann Spell auch diesen Gattungen, parabola, similitudo, gleichgesetztwerden. Da aber hier bei der Darstellung eines Vorgangs noch eine all-gemeine Idee mitläuft, so wird dieses Verhältnis der beieinander bestehendenTeile, des Bildes und der Idee, näher durch bispel bezeichnet, ähnlich demgriech. nagaßolri, das Nebeneinanderstellen. So im Angelsächsischen, Alt-hochdeutschen und im Mittelhochdeutschen: ags. biword biwyrd proverbium,ahd. biwurti parabola, proverbium (Graff 1,1025), ahd. mhd. biwort parabola(Graff 1,1022; Mhd. Wb. 3, 808b). Mhd. bispel ist im Nhd. zu Beispiel um-gedeutet, indem das nicht mehr verstandene spei als Spiel aufgefaßt wurde.

Eine nur einmal vorkommende Glossierung ist spelpauhan zu alle-goriam Pa, Gl. 1,48, 37; pauhan ist significatio, typus, Zeichen, Bezeich-nung (Graff 3, 44 f.), übertragene, symbolische Bedeutung, spelpauhan alsoeine Erzählung als Bild, Gleichnis für einen allgemeinen Gedanken. Zuallegoria und typus vgl. Diefenbach, Gloss. 23c bezw. 585a.

Spell ist ursprünglich der Name für Bericht, Erzählung jeglicherArt, sei es zur Unterhaltung oder zur Belehrung. Als durch das Christen-tum eine völlige Umwertung des herkömmlichen, volkstümlichen Gedanken-schatzes eintrat, fielen auch die alten Erzählungsstoffe in Mißachtung gegen-über denen der neuen Heilslehre. Die Götter- und Heroengeschichtenwurden als Lügen und Faseleien angesehen: diesen Übergang zeigt derSprachgebrauch des Ulfilas, spill = /uv&og, und er liegt ebenso klar zutagein der angelsächsischen und althochdeutschen Literatur.

Spell wird meist ausdrücklich als gesprochene Erzählung bezeichnet.Dem gesungenen Lied gegenübergestellt ist es in König Alfreds Boethius-übersetzung da he Ms boc of Lcedenum Engliscum spelle hcefde sewende,äa jeworhte he hi eft leope im Vorwort; da se Wisdöm ctis leop dsunjenhcefde, da onjan he spellian Boeth. 37, 2; se Wisdöm ecte dast spell mit

! ) W. Cloetta, Beiträge zur Litteraturge- I Hallel890,RegisterS.166f.u.bes.S.29Anm.2,schichte des Mittelalters und der Renaissance, | S. 50 Anm. 2, S. 149 f.