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Teil 1 (1918) Die althochdeutsche Literatur
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62
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62 I. Die vorliterarische Zeit.

mus zu leod, sanj: leod was äsunjen, gleomannes 3yd Beow. 1160; hegyd wreced, dann erhebt er das Gid, den Trauergesang, sdri^ne san.3 Beow.2446; pcet se witja son.3 . . . and pcet 5yd äwrcec Möd. 51 (Bosworth-Toller S. 474 a; Grein 1,504 f.).

Ein Unterschied ist also festzustellen zwischen 1. leod, satij, 2. jid,3. spell: die Bezeichnungen leod, san.5 sind von der Eigenschaft dieserGattungen als musikalischer, von Gesang und Harfe begleiteter Stabreim-dichtungen hergenommen; jid bezieht sich auf die Form des Textes, ab-gesehen von der Melodie (von der das jid immerhin begleitet sein kann),das ist der Stabreim; spell ist zunächst nur der erzählte oder berichteteInhalt. Da alle drei Bedingungen bei ein und demselben Werk zusammen-treffen können, so ist in der Literatur die Scheidung der drei Wörter nichtstreng durchgeführt, zumal im epischen Stil die drei verwandten Begriffeleicht als Variationen gebraucht werden konnten.

Das Beowulfslied enthält zwei ausführlichere Stellen über den gesell-schaftlichen Vortrag, wo jid und spell zusammen erwähnt werden: 1. v. 867 ff.:Von Grendels Moor in ihre Heimat zurückreitend unterhalten sich dieRecken; zuweilen erfand ein Königsdegen, an (Stabreim-)Lieder sich er-innernd (jidda), der sehr viele Sagen der Vorzeit im Gedächtnis hatte,ein Wort und das andere, der Wahrheit gemäß zusammengefügt; ein Mannbegann darauf wieder die Fahrt Beowulfs klug (in Worten) zu ordnen undmit Geschick verständig eine Erzählung zu geben (wrecan spell), in wech-selnde Worte zu kleiden; vieles sprach (jecwced) er, was er von Sigmunderzählen (secjan) hörte. Von Harfenbegleitung kann hier keine Rede sein,da die Männer zu Pferde einen schnellen Ritt machen. Die alten Sagenmag der Held in Stabreimform vorgetragen haben (jidda jemyndis); Beo-wulfs Fahrt, das neue Ereignis, wurde wohl in Prosa erzählt {wrecan spell),denn darüber hat der Mann kein altes Lied im Gedächtnis. 2. v. 21052114:Hrodgar, der alte König der Dänen, erzählte beim Frühmahl in der Halle vonferner Zeit; zuweilen rührte er die Harfe, zuweilen trug er wahrhafte undleidvolle (Stabreim-)Gedichte vor {5yd äwrcec), zuweilen erzählte er seltsameMären (syllic spell) der Wahrheit getreu. Auch hier ist eine strenge Trennungunter den poetischen Gattungen vom Dichter nicht beabsichtigt, immerhinaber ist die Dreiteilung gemacht mit dem von der Harfe begleiteten Lied,dem jid und dem spell.

§ 18. Der Dichter.

Wackernagel l 2 S. 51. 66 f. 96ff. 123f. 149.184186; Kelle, LG. 1,6973.124f. 188.200203. 276278. 283 f. und die dazu gehörigen Anmerkungen; KÖGEL, LG. 1,140144.2, 191196, dazu Register unter »Fahrende, Rhapsoden, Scop, Spielleute, Spielmanns-dichtung"; Grundr. 2 S. 33 f. 55. 62; Piper, Spielmannsdichtung S. 331; Symons, PaulsGrundr. 2 2 , 1, 1719; Heusler, Hoops' Reallexikon 1,443446.459462; Kauffmann,D. Altertumskunde 1,314. W. Grimm, D. Heldensage 3 S. 421426; Müllenhoff, SagenS. XVIII ff.; derselbe, Zur Geschichte der Nibelunge Not S. 11 ff. (S. 20 Anm.); derselbe,Z. f. d. A. 7, 530 f.; derselbe, DAK. 5, 273. 288 ff.; G. Zappert, Wiener SB. 13 (1854), 150 bis