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Teil 1 (1918) Die althochdeutsche Literatur
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59
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B. Die Dichtung der vorliterarischen Zeit. 9. Spell. § 17. 59

der Propheten (Isidor XXVI, 6, vgl. Mons. Fragm. XXVIII, 14). Das Nomenactoris spello steht in der Zusammensetzung wärspello: Ezechhihel fortitudodei rachenteo strengt cotes Pa, uuarspello rehctreten strenki kotes Gl. K.,uuarspello Ra, Gl. 1, 136 f. 38 f. Bei Notker hat spei schon den ungünstigenSinn von 'erfundener, lügenhafter Geschichte' völlig angenommen: explicabotibi fabellam . . ., quam edocuit satyra So sägo ih tir daz spei . . . däzmih lerta diu satyra Marc. Cap. I, 3 (Piper 1, 692, 16 ff.), und besondersim Schlußgedicht des zweiten Buches, womit Notkers Übersetzung über-haupt endigt: Nunc ergo mithus terminatur.. . hina ist taz spei. Ter teildero satyrq der uuäre gelih neist. ter ist hina. Der heizet grece mithus:Aus ist das spei; der Teil der Satyra der der Wahrheit nicht gleich ist,der ist aus . . . Darauf: Nee uitabunt ludicra . i . fabulas pro multaparteSie nefermident öuh tiu spei nieht. in michelmo teile. Marc. Cap. I, 2(Piper 1, 772, 27 ff.) werden die irdischen Freuden in Gegensatz zur Himmels-wonne gebracht: mithos . i . fabulas poetic([ . . . historiasque mortalium . . .diu meterlichen (rhythmischen) spei. Spell hat also bei Notker dieselbeBeschränkung auf verschlechternden Sinn durchgemacht wie bei Ulfilas.Speziell ausgedrückt ist diese Bedeutungsfärbung in dem Compositum inlugispellen, das als Synonym neben lugisagilon in der Aufzählung derLaster der Bamberger Beichte steht (MSD. Nr. 91, 192).i) Ebenso hat dasmhd. spei (Mhd. Wb. 2, 2, 490 ff.; Lexer 2,1077; Schmeller-Frommann 2, 662)meist den ungünstigen Inhalt von Erdichtung, Märchen, Fabel, Lüge, leeresund unnützes Gerede: z. B. ez ist ein wärheit, niht ein spei Lanzelet 8521;iz ist war und niht ein spei Wiener Meerfahrt (Lambel, Erzählungen undSchwanke S. 219, 115). Im Heliand ist spei häufig, doch entsprechend demernst religiösen Stoff immer in würdiger Bedeutung: spei godes GottesWort 572. 1376. 1381. 2650; als Lehren und Parabeln Jesu 1733 (spräcagodes endi spei), 1992 (Bergpredigt), 2416 (söetlic spei), 2466 (die von denJüngern vorgetragene Lehre Jesu), 2673 (die weisen Worte Jesu). Zusammen-setzungen mit spei sind das dem Angelsächsischen entstammende godspell 25,södspel die wahre Rede 3838, sorgspell Worte der Betrübnis 3174, uuilspel(auchags.) willkommene Botschaft (= evayyütov) 519. 527. 5836. 5942. 5945.In den altniederfränkischen Psalmen ist spei = parabola, Ps. 68, 12und Lipsius'sche Glossen 641 (van Helfen S. 41 u. 82), in den letzterenspei fabulationes 645, zu Ps. 118, 85 (van Helfen S. 83). Die nordmittel-

J ) Spei ist auch enthalten in ahd. spelsekko Nov. Gloss. 164 a ) vorgeschwebt haben mag

Marc. Cap. I, 31 (Piper 1,736,31). Das einige | (vgl. auch die Glosse fabor reden wirt Diefen-

Zeilen vorher auftretende einfache sekko (736, bach, Gloss. 221a). Sekko ist = *sagjo, Nomen

22) entspricht dem lateinischen fauor (736,18). actoris zu sagen, einer der sagt, erzählt, ent-

Eine Beziehung zu favor 'Gunst' ist unersicht-lich, aber einige Handschriften haben dieVariante fabo r (Martianus Capeila ed. Eyssen-hardt, Variante zu S. 18,4.18) und es ist mög-lich, daß Notker dieses fabor als Form oderAbleitung von fari sagen aufgefaßt hat, wobeifabulator, fabulo (Diefenbach, Gloss. 221c,

halten in wärseeco, Graft 6,108. Spelsekko istdann der 'Geschichtenerzähler', = meresager,mcehrlesager Märchenerzähler (Diefenbach,Gloss. s.fabulator). Andere Erklärungen gebenKögel, Z. f. d. A. 33,20; Edw. Schröder, Z.f. d. A. 37,252 f.