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Teil 1 (1918) Die althochdeutsche Literatur
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B. Die Dichtung der vorliterarischen Zeit. 7. Rätsel. § 15. 55

hervortraten. Jedenfalls wurde bei den einzelnen germanischen Stämmen inalliterierenden Formeln ein beträchtlicher Teil des Wissens auf verschiedenenGebieten weiter überliefert, so hauptsächlich im Rechtsleben. 1 )

Echt germanische Lebenserfahrung finden wir gesammelt und unterbestimmten Gesichtspunkten geordnet ebenfalls nur in der altnordischenLiteratur. Odins Sprüche, die Hövamöl, sind die wichtigste Gnomen-sammlung, Alltägliches mit Ewiggültigem vereinigend. Fast alle Götterliederder Edda, mythologischen oder praktischen Inhalts, sind zur Belehrung ge-schrieben.

Ein nicht unerheblicher Schatz von Sprichwörtern ist uns aus derangelsächsischen Literatur erhalten. Sie sind ebenfalls in einzelne Gedichtevereinigt, die jedoch nicht in die phantasievolle, epische Einkleidung gebrachtsind wie die Eddalieder: Versus gnomici (Grein-Wülcker, Bibl. 1,338352), dieLehren des Vaters an den Sohn (350357), die Gaben der Menschen (3,140 bis143), die Schicksale der Menschen (3,148151). Auch hier wechselt Wichtigesmit Nichtigem. Heidnische Anklänge sind fast völlig getilgt, doch sind manchealte Volksanschauungen erhalten, oft in bestimmter, offenbar typischer Form.Spärlich nur ist die Sprichwortliteratur im Althochdeutschen vertreten. Wiezäh aber die gnomische Volksweisheit festhaftete, das zeigt die mittelhoch-deutsche Spruchdichtuug. Bei den Spervögeln, bei Walther von der Vogel-weide kehren manche altnordische und angelsächsische Lehren wieder.

§15. 7. Rätsel.

Kögel, LQ. 1,64ff., Grundr. 2 S.45f.; Uhlands Schriften 3,181222.289324; Müllen-hoff, Sagen S. XII f.; derselbe, Z. f. d. Mythologie und Sittenkunde 3 (1855), 120; derselbe,DAK. 5,1,237 f.; W. Wackernagel, Z. f. d. A. 3,2534; W. Wilmanns, Z. f. d. A. 20,250254;MSD. II 3 , 58 f.; Fr. Loewenthal, Studien zum german. Rätsel, Germanist. Arbeiten 1,Heidelberg 1914; E. L. Rochholz, Alemannisches Kinderlied und Kinderspiel aus derSchweiz, Leipzig 1857, S. 199278; R. Wossidlo, Mecklenburgische VolksüberlieferungenBd.l, Wismar 1897.

Wieweit es eine germanische Rätseldichtung gab, ist nicht zu erschließen,aber die Kenntnis dieser Gattung ist bei den Nordgermanen, Angelsachsenund Deutschen bezeugt durch die Sprache. Das germanische Verbum 'raten' 2 )= 'einen Rat geben' hat zugleich die eingeschränkte Bedeutung von 'erraten','etwas Verborgenes durch Nachdenken finden', so besonders die BedeutungRunen finden, Runen lesen, woher englisch to read == lesen. An. räda,ags. rcedan, drddan, engl, to read a riddle, werden dann ebenso auf Rätsel-lösung angewendet. Die Substantiva sind: an. gäta f., räägäta f. (rääa gätuRätsel raten); ags. rätdels m., r&delse f., rceswwij f. (verb. rwswiari): conlec-tura i. oplnaüo, estimatio, interpretatio uel rceswunj uel iwdels, consimiliaWright-Wülcker Voc. 209, 4, und besonders rcedels wnigma Alfreds Gramm.

') J. Grimm, DRA. S. 6 ff.; R. M. Meyer, I 2 ) Kögel, Grundr. 2 S.451; Müllenhoff,Die altgermanische Poesie nach ihren formel- ] Zur Runenlehre S. 63; R. Hildebrand, Bei-haften Elementen beschrieben, Berlin 1889, träge zum deutschen Unterricht, Leipzig 1897,S- 240 ff. | S.147L; Piper, Spielmannsdichtung 1,46 ff.