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Teil 1 (1918) Die althochdeutsche Literatur
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B. Die Dichtung der vorliterarischen Zeit. 5. Zauberlied. § 13.

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Die reichste Fundgrube für die Zauberei der vorkarolingischen Zeit istdie Humelia Sei Augustini de sacrilegia, eine fälschlich Augustin zu-geschriebene Predigt aus dem 7.-8. Jahrhundert, enthalten in einer Hand-schrift des Klosters Einsiedeln. 1 ) Die predigtartigen Teile, besonders Anfangund Schluß, bilden nur den Rahmen, der Hauptteil ist ein 'Catalogus sacri-legiorum', eine Sammlung von Zaubereien und heidnischen Handlungen.Für die gesprochenen Zaubereien, also die Beschwörungen, incantationes,kommt folgende Stelle in Betracht: Heide ist, und nicht Christ, quicumquesuper sanetum simbulum et orationem domlnicam carmina aut incan-tationes paganorum dicit, in animalibus mutis aut in hominibus incantat,et prodesse aliquid aut contra esse iudicat; et qui ad serpentes morsosuel ad uermes in orto uel in alias fruges carminat et quodeumque aliutfacit. Dann werden die einzelnen carmina uel incantationes aufgezählt:Gegen Behexung, Krampf, Furunkel, Krebsgeschwür, Diarrhöe, ad apium, 2 )Eingeweidewürmer, Fieber, Fieberschauer, Kopfweh, Hühnerauge, Räude,Rose, Skorpionsbiß, ad pullicinos,*) Nasenbluten. Denn wer gegen Fiebernicht nur Zaubersprüche singt (incantat), sondern auch Zettel mit denmagischen Zeichen, Buchstaben der Engel und Salomons schreibt undum den Hals hängt oder eine Schlangenzunge um den Hals hängt oderirgend etwas Weniges mit Zauberspruch trinkt, der ist kein Christ, sondernein Heide. Das ist ein Teil der Übel, gegen die es Beschwörungszaubergab. Aber lediglich aus deutschem Aberglauben hat auch diese Humelianicht geschöpft, vielmehr beruht sie auf älteren, kirchlich-internationalenSammlungen, den von den Konzilien und in den Dekreten offiziell gegebenenBestimmungen gegen die Superstitionen. Vieles mag auch auf germanischeVerhältnisse zutreffen, aber gültige Zeugnisse für diese sind solche Paragraphennur dann, wenn noch andere sichere Beweismittel vorliegen, 4 ) wie für denMilch- und Honigzauber (Friedberg S. 96: Manche Weiber glauben durchBehexung und Besprechungen, fascinationibus et incantationibus, den Milch-und Honigreichtum auf ihre eigenen Tiere überleiten zu können), dennähnlicher Aberglaube ist auch in Deutschland aus späterer Zeit bekannt.Desgleichen sind die Besprechungen über Brot und Kraut, über Zauber-zettel und Amulette wie anderwärts, so auch in Deutschland üblich ge-

') Caspari, Eine Homilia de Sacrilegiis,Z.f.d.A.25,313316 und die Sonderausgabe:C. P. Caspari, Eine Augustin fälschlich beilegte(so!) Homilia de sacrilegiis, Christiania 1886.Speziell von Beschwörungsgebräuchen han-deltZ. f. d. A. 25,315,4662 und in der Sonder-ausgabe C. IV (S. 9 f.), dazu Anmerkungen S. 27bis 30.

2 ) Bienenstich, Bienensegen?, Caspari,Ausgabe S. 28 f. (oder zu nvög Muttermilch,also gegen die Muttermilchlosigkeit?).

3 ) Caspari a. a. O. S. 29 (doch wohl = po-lesenus, also gegen Nervenzittern, Du Cange-Favre 6,394a f.).

4 ) So können aus der Kanonensammlungdes Burchard von Worms überhaupt nurStellendes XIX. Buchs, des Corrector et medicus, inBetracht gezogen werden (bei Friedberg, Ausdeutschen Bußbüchern S. 81 f.); aber ebenfallsnur unter Vorsicht, denn der Regenzauber(J. Grimm, Mythol., Nachtr. S. 410, FriedbergS. 101) ist auch bei den Serben und Griechenin Übung (J. Grimm, Mythol. S. 493 ff. u. Nachtr.S. 169), so daß selbst die deutsche Übersetzungherbam hyosciamum quae teutonice belisavocatur (bilisa Bilsenkraut, Graff 3, 102;J. Grimm, Mythol. S. 1002 f.) für deutsche Sittenichts beweist.

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