50 I- Die vorliterarische Zeit.
Ein fremdsprachlicher Ausdruck des Bezauberns durch Worte im Alt-hochdeutschen, der aber niemals heimisch war, ist garminön 1 ) germinön,pigerminön incantare (Graff 4, 263 f.) mit den Ableitungen garminöt ger-minöt m. incantatio, Carmen, cantamen, murmur (murmur kereminoth Gl. 2,410,47), garminäre m. incantator, von lat. carminare (woher auch frz. charmer),das gleichbedeutend ist mit incantare (woher frz. enchanter), zu carmen(woher frz. charme), das schon im klassischen und viel mehr im späterenLatein auch Zauberlied bedeutet (Du Cange-Favre 2,174 c). Aus der Gleich-setzung mit calstar und murmur erhellt, daß der Zentralbegriff in germinöndie Vortragsweise, ein Murmeln oder Raunen, andeutet. — Die drei Bezeich-nungen nebeneinander gebraucht Notker in seinem Marcianus Capella II, 5(Piper 1,782,30—783,8) von der Philologie: von ihr ward ter chölchiskogermenod (cholchica . . . incantatio) mit diamantener Spitze eingeritzt, mitihrem harten Griffel schrieb sie zöuuerlichiu carmina, wie die Kolcher inSkythien, von woher Medea war, tili händega gälsterära, die wilde Zauberin.
Das Wort beschwören kommt in der Zauberei, also im Sinne von'besprechen durch eine Zauberformel', erst im Mittelhochdeutschen vor: be-swern, beswerunge, beswerniisse, beswercere, tiuvelsbeswercere (Mhd. Wb.2,2,772 f.; Lexer 1,232 f.), also erst für die christlichen Sprüche. Es entsprichtdann besonders dem lateinischen exorcizare : per divina adjurando viminimicam expellere, Du Cange-Favre 3, 367b f.
Gegen den Zauberwahn erhob die Kirche ihre Verbote ebenso wie gegendie andern heidnischen, das Volksgemüt an den heimischen Götter- undDämonenglauben erinnernden Anschauungen und Gebräuche. Schon in dengermanischen Volksrechten sind unter dem Einfluß der Kirche die Gesetzegegen die Zauberkunst (maleficium, maleficae artes, incantatio, augurium etc.),gegen Zauberer (maleficus, aruspex, ariolus, cauculearius, cauculator, in-cantator) und Hexen (striga) zahlreich. 2 ) Besprechungen werden dabei er-wähnt in der Lex Wisigothorum VI, 2. 4, Mon. Germ. Leg. I Tom. 1 S. 259,s. auch VI, 1,8, ebda S. 257: Malefici vel immissores tempestatum, quiquibusdam incantationibus grandines in vineis messibusque inmittereperibentur vel hü qui per invocationem demonum mentes hominumturbant seu qui nocturna sacrificia demonibus celebrant eosque per in-vocationes nefarias nequiter invocant usw.; De pugna duorum quodwehadinc (Zweikampf) vocatur, ut prius non sortiantur quam paratlsint, ne forte carminibus vel machinis diabolicis vel magicis artibusinsidiantur, Lex Bajuvariorum, Addit. (Mon. Germ. Leg. III, 465). Ebensowiederholen sich die Verbote in fränkischen Kapitularien von 789. 799—800.802, z. B. Ut cauculearii, malefici, incantatores vel incantatrices fieri nonsinantur (Boretius I S.55,18. 96,25. 110,15. 228,15).»)
*) Edw. Schröder a.a.O. S. 267 f. I ariolus 1,384c f., incantare 4,318 <=, praesti-
2 ) Wilda, Das Strafrecht der Germanen, j giare 6,472s striga 7,614 b .Halle 1842, S. 961—973; Du Cange-Favre j 3 ) Kögel, LG. 1, 83.
unter maleficusb, 194 a , cauculatores2, 234bf.,