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Teil 1 (1918) Die althochdeutsche Literatur
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B. Die Dichtung der vorliterarischen Zeit. 5. Zauberlied. § 13. 49

praktischem Gebrauch, lehrt das angelsächsische Runenlied (Grein, Bibl. 2,351354).

Althochdeutsch, carmina galdar Gl. 2, 698,49 (berückende Lieder, zuVirgils Ecl. 8,68); diutinis incantatlonlbus langen galdrun 2,261,50; prestl-gium kalter 2,392,28 (Edw. Schröder, Z. f. d. A. 37,266); häufiger als galdar n.istgalstam., incantatio, cantamen, veneficium, auch sacrlleg'mm (Graft 4,179).

Da das Altnordische, Angelsächsische und Althochdeutsche das Wortgaldr saldor galdar gemein haben, so ist es als die germanische technischeBezeichnung für Zauberspruch gesichert. Das Verbum ist ahd., entsprechenddem An. und Ags., galan : per incantationes durch kalan Gl. 1, 335, 24; innahügala Nachtsängerin; incantare begalon 2,517,44. 549,61 (vgl. bigoug-gellon2, 500,30); bigalan Zweiter Merseburger Zauberspruch 35; [pocula]tacta [carmlne] begalotlu Gl. 2, 62,11 (dieselbe Stelle in Notkers Boethius IV,23, Piper 1-, 252,8.14, übersetzt durch pezöuueröt lid). Ferner die Ableitungen:Incantatores calara Gl. 1,469,36; verb. galst(a)rön incantare, davon gebildetdas Substantiv galst(a)rärl m. incantator, praestigiator, veneficus (mathematiclcalstrare in Notkers Ps. 73,15 ist synonym mit dem daselbst vorhergehendenaruspices, also so viel wie Zeichendeuter, Seher, Astrolog); gälsterära f.Zauberin, mit Beziehung auf Medea, Notkers Marc. Cap. II, 5 (Piper I, 783, 8).Mhd.: galster n. Zaubergesang, galsterie f. Zauberei, galsterltch zauberisch;und noch nhd. im Alemannischen galsteren geisteren zaubern, blenden, ver-gatteren vergeisteren bezaubern, verhexen (Schweiz. Idiotikon 2, 234236).

Das deutsche Wort 'Zauber' mit seinen Ableitungen ist schon im Alt-hochdeutschen häufig {zoubar zouvar m. Graff 5,580582). Im Altnordischenentspricht tau.fr n. Zauberei, speziell Amulett. 1 ) Die Grundbedeutung ist nichtzu erkennen, jedenfalls aber bezieht sie sich nicht auf den Vortrag, wie galdar,da zoubar nicht mit entsprechenden Zusammensetzungen, etwa mit liod,lelch, sang, vorkommt.

Hleotharsäzzo, 2 ) hleodarsizzeo, leodarsezzo, liodirsäzo, hleodarsäz istder Zauberer als Wahrsager. Ags. hleoäor n. ist das was man hört, Laut, Ton,Stimme, Rede, Gesang, besonders von erhabener, himmlischer Rede, Pro-phezeiung, Verheißung, Orakel, hleoäorstede m. Stätte der Verheißung, derProphezeiung. Der zweite Teil der Zusammensetzung -säzzo ist = *säzjo(wie in ahd. truhsäzzö), also der eine Rede, Verheißung, Orakel setzt (Redesetzen vgl. redea sezzan Tatian 99,1. 149,3). Hleotharsäzzo usw. ist ge-braucht als Übersetzung von negromantlcus, coraglus (= caragus), ariolus,Gl. 1,215,33. 2, 365, 35. 2,763,9 (hier = wizagun).

: ) Ags. teafor minium, Menich, hat nicht tionen des Übersetzers zu erklären: er dachte

den Diphthong ea, wie das Verbum ätcefran, \ bei cervulus Hirsch an ariolus (zu aries)

abmalen, zeigt (Grein 2, 526), hat also mit' | Widder; ariolus ist aber auch = hariolus

an. taufr, ahd. zoubar nichts zu tun. Wahrsager, und diese Gedankenverbindung

2 ) Wackernagel l 2 ,51 Anm. 19; Kögel, i kam ihm, da es sich um heidnische Gebräuche

LG. 1,29 f.; Piper, Spielmannsdichtung 1,7.9. I handelte, die verpönt waren. So gelangte er

Die Gl. in ceruulo in lioder saza, Gl. 2, I zu der Glosse in lioder saza.

365,17, ist durch mehrere Gedankenassozia- |

Deutsche Literaturgeschichte. I. 4