B. Die Dichtung der vorliterarischen Zeit. 5. Zauberlied. § 13. 45
runen. Dann stellen sich die Personennamen mit Sisi- denen zur Seite,die zusammengesetzt sind mit Gand- (an. gandr Zauber) wie ahd. Ganda-rlcus, Gandulf 1 ) und mit Run- wie Rünant, Rünfrid und die zahlreichenFrauennamen wie Albrüna, Fiithurün.
Das Wort sisu- ses- scheint auch in sespilon enthalten zu sein: neniassesspilon Gl. 2, 576, 63, (11. Jahrh., zu derselben Stelle des Prudentiuswie Gl. 2, 559, 37), nenia sespilon 4, 206, 17 (11./12. Jahrh., aiphabet.Gloss.), ferner in der sächsischen Beichte (10. Jahrh.) Ik glhörda hethln-nussja endl unhrenja sespilon MSD. Nr. 72, 28 f. und dazu II 3 , 377; ses(s)plloist schw. m., schwach flektiert als zweites Glied eines Kompositums mtsiehtago,wingarto. In der Verbindung mit dem allgemein gehaltenen hethlnnussja,Heidentum, wird wohl auch unhrenja sespilon einen allgemeineren Sinnhaben, etwa heidnische Zaubereien. In der Glossierung nenias sesspilon(zu Prudentius) bedeutet sesspilon jedenfalls aber Leichenlieder oder Feier-lichkeiten bei Todesfällen.
Hiuuilön (hiuuilonne VP, hlulonne F) Otfr. 5, 23, 22 ist in den Wörter-büchern mit jubilieren übersetzt, es ist und bedeutet jedoch dasselbe wiemhd. hluweln hlulen, nhd. heulen, Klagerufe ausstoßen. Es bezieht sich aufden Schmerz derer, die ihre Sünden beweinen v. 7 f., die jamaragaz muat habenv. 33, deren Herz seufzt v. 40.45, die Weinenden v. 104. In slnemo sänge undodo ouh in hiwilonne sind sich entgegengesetzt als Freudensang und Weh-klagen.
§13. 5. Zauberlied.
J.Grimm, Mythol. Kap. XXXIV (Zauber) = S. 861—924 u. Nachtr. S.303—319, Kap.XXXVIII (Sprüche und Segen) = S. 1023—1044 u. Nachtr. S. 363—373. 401—426. 492—508;Uhlands Schriften 3,243—256.343—351; E.H.Meyer, Germ. Mythol. S. 23. 31 u. RegisterS. 354; derselbe, Mythologie der Germanen s. Register S. 526; Golther, Mythol. S. 641—660;R.M. Meyer, Religionsgesch. S. 127—151; MSD. Nr. 4.16.47 u. Anmerkungen Bd. II 3 S. 42 ff.90ff. 272 ff.; Cockayne, Leechdoms, Wortcunning and Starcraft of early England, 3 Bde, London1864; A.Chr. Bang, Norske hexformularer og magiske opskrifter, Kristiania 1901/02; Alfr.Lehmann, Aberglaube und Zauberei von den ältesten Zeiten an bis in die Gegenwart, ausdem Dänischen übersetzt von Petersen, 2. Aufl., Stuttgart 1908; J. Mansikka, Über russischeZauberformeln mit Berücksichtigung der Blut- und Verrenkungssegen, Dissertation, Helsingfors1909; O. J. Brummer, Über die Bannungsorte der finnischen Zauberlieder, Helsingfors 1908;K. Krohn, Gott. gel. Anz. 1912, 213 ff.; Kelle, LG. 1, 65-68. 321—325; Kogel, LG. 1,24—34.47—55. 77—84, Grundr. 2 S. 43—45. — Zu galdr s. MOllenhoff, DAK. 4,138. 205; Golther,Mythol. S. 641—646. — Siehe oben § 12 u. unten § 25.
Mit dem Glauben an die Geisterwelt eng verknüpft ist die Zauberei.Der Zauberer selbst besitzt dämonische Kräfte, er versteht die Kunst, andereWesen oder Gegenstände in seinen Willen zu bannen, die Natur oder irgend-einen Vorgang nach seinem Willen zu lenken. Bei vielen Naturvölkern sinddie Priester zugleich Magier, es gibt eine Zaubererkaste oder auch Zauberer-familien. Auch bei den Germanen war, bei den primitiven religiösen Vor-
*) Forstemann, Namenbuch Bd. I 2 , 594—596.